Arbeitgeber drängen auf Reform des Schulsystems

Archiv
Arbeitgeber drängen auf Reform des Schulsystems

Die Lehrpläne sollen entschlackt werden. Gleichzeitig sollen bundesweite Standards eingeführt und die Grundschulen aufgewertet werden.

rtr BERLIN. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Folgerungen der Kultusminister aus der Pisa-Bildungsstudie als unzulänglich kritisiert und ein Fünf-Punkte-Programm zur Reform des Schulsystems vorgelegt. "Was die Kultusministerkonferenz als Reaktion auf die Pisa-Studie im Dezember an so genannten Konsequenzen angekündigt hat, ist eine Groteske", sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) am Dienstag in Berlin. Die Minister hätten sich nur auf völlig vage Aussagen zu Verbesserungen einigen können. "Es muss jetzt gehandelt werden, sonst versinkt der Wirtschaftsstandort Deutschland in der bildungspolitischen Bedeutungslosigkeit", fügte Hundt hinzu.

Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegebene Pisa-Studie war Anfang Dezember in Deutschland veröffentlicht worden und hatte eine breite Diskussion über die Qualität des deutschen Bildungssystem entfacht. Im Rahmen der Untersuchung in 32 Ländern waren Leseverständnis, mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten von 15-jährigen Schülern getestet worden. Die Schüler aus Deutschland hatten dabei deutlich schlechter als der OECD-Durchschnitt abgeschnitten.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Annette Schavan (CDU) hatte als Folge aus der Pisa-Studie eine moderne Lernkultur gefordert. Auch müssten besonders lernschwache Schüler stärker gefördert werden.

Das Konzept der Arbeitgeber für eine Schulreform fordert klar definierte, bundesweite Leistungsstandards für alle Fächer, die in Zentralprüfungen abgefragt werden sollen. Darüber hinaus solle es mehr Leistungstests und eine Halbierung des Lernstoffs geben. "Ich plädiere dafür, die überfüllten Lehrpläne zu entschlacken", sagte Hundt. "Wir brauchen eine Konzentration auf das Grundlagenwissen...". Es sei fraglich, ob sich Schüler in Biologie vier Wochen mit dem Bau der Regenwürmer befassen müssten.

In einem zweiten Punkt verlangen die Arbeitgeber eine Aufwertung der Grundschule. Im internationalen Vergleich gebe Deutschland mit 3500 (OECD-Durchschnitt: 4400) Dollar pro Grundschüler unverhältnismäßig wenig aus. Dagegen würde mit 9300 (OECD: 6300) Dollar überproportional viel Geld in die Oberstufe an den Gymnasien gesteckt. "Dieses Verhältnis muss dringend umgekehrt werden", forderte Hundt. Es leuchte überhaupt nicht ein, warum ein Gymnasiallehrer deutlich mehr Gehalt beziehe als ein Grund- oder Hauptschullehrer. Die deutsche Wirtschaft sei sehr daran interessiert, die Hauptschulen zu stärken.

Darüber hinaus plädierte der BDA-Präsident für eine intensivere Hochbegabtenförderung in den Schulen und die gezielte Ausbildung von Leistungseliten. Zudem müsse die Zahl der Schüler ohne Abschluss verringert werden. Derzeit verließen bundesweit etwa neun Prozent der Schüler die Schule ohne einen Abschluss. An der Hauptschule seien es sogar 16 %.

Des weiteren sprach sich Hundt für einen Bildungspass aus, der die Schwächen und Stärken der Schüler festhalten solle und anhand dessen ein individueller Bildungs- und Förderplan erstellt werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%