Arbeitgeber gegen 35 Stunden
Ost-Metall vor hartem Tarifkonflikt

In der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie kündigt sich ein harter Tarifkonflikt an. Im Streit um die Einführung der 35-Stunden-Woche will es der Arbeitgeberverband Gesamtmetall notfalls auf einen Arbeitskampf mit der IG Metall ankommen lassen.

HB/dpa BERLIN. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser schloss wenige Tage vor Beginn der Tarifverhandlungen am Donnerstag in Berlin auch Aussperrungen nicht aus. Die etwa 300 000 Beschäftigten im Osten arbeiten derzeit 38 Wochenstunden, drei Stunden länger als im Westen. Die IG Metall will zur Angleichung einen Stufenplan durchsetzen.

Kannegiesser lehnte dies als "betriebswirtschaftlich unbezahlbar" und "beschäftigungspolitisch unsinnig" ab. Der Arbeitgeber-Chef verwies darauf, dass die 35-Stunden-Woche für jeden Ost-Betrieb Mehrkosten von 8,6 % zur Folge hätte. Nach Gesamtmetall - Berechnungen gerieten damit 20000 Arbeitsplätze in Gefahr. Außerdem würde der Osten seinen letzten Standortvorteil verlieren, sagte Kannegiesser. Der Tariflohn liege heute praktisch bereits auf West- Niveau. Dagegen erreichten die ostdeutschen Betriebe pro Kopf nur 65 % des Umsatzes.

Angesichts der "unüberbrückbaren" Standpunkte gebe es in diesem Tarifkonflikt auch nicht die sonst üblichen Kompromissmöglichkeiten, sagte Kannegiesser. "Ich sehe keine Chance, wie man sich da näher kommen kann." Gesamtmetall sei auch bereit, in einen Arbeitskampf zu gehen. Auf die Frage, ob es dann auch Aussperrungen geben werde, sagte Kannegiesser: "Dazu ist es derzeit noch viel zu früh."

Die IG Metall hatte zuvor schon mit Warnstreiks gedroht, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die Proteste können aber frühestens nach Ende der Friedenspflicht am 1. Mai anlaufen. Gewerkschaftsvize Jürgen Peters bezeichnete eine bundesweite 35-Stunden-Woche dagegen erneut als finanzierbar. Die ostdeutschen Metaller dürften nicht länger "Arbeitnehmer der zweiten Klasse" sein.

Damit sind die Positionen vor Beginn der ersten Verhandlungen für den Tarifbezirk Berlin-Brandenburg am kommenden Mittwoch extrem verhärtet. Zwei Tage später ist dann der Bezirk Sachsen an der Reihe. Nach 1998 und 2000 ist dies bereits der dritte Anlauf der IG Metall, die Wochenarbeitszeit im Osten um drei Stunden zu verkürzen. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass die Ost-Metaller übers Jahr gerechnet praktisch einen Monat länger arbeiten als ihre West- Kollegen.

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