Arbeitgeber vermissen „jedes Augenmaß“
IG Metall fordert mehr Lohn

Mit einer Einstiegsforderung von fünf bis sieben Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche hat die IG Metall am Montag in Frankfurt am Main die Tarifrunde 2002 eröffnet.

ap FRANKFURT/MAIN. Gewerkschaftschef Klaus Zwickel begründete den gegenüber den vergangenen Jahren deutlich höheren Anspruch mit der spürbar gewachsenen Produktivität, der Preissteigerung und der Notwendigkeit, in Deutschland den Konsum anzukurbeln.

Umfrage: Was halten Sie von der Lohnforderung?

Im Einzelnen wies Zwickel darauf hin, dass sowohl der Preisanstieg als auch die Produktivitätsentwicklung im kommenden Jahr um jeweils zwei Prozent zulegen werden. Insofern sehe die IG Metall einen kostenneutralen Verteilungsspielraum von etwa vier Prozent. Hinzu komme ein zusätzlicher Bedarf wegen der in den letzten Jahren äußerst gering gestiegenen Löhne und Gehälter.

Nach den Worten des IG-Metall-Vorsitzenden will die Gewerkschaft nach einem Jahrzehnt vergeblicher Anläufe in den kommenden Tarifverhandlungen auch neue Entgelttarifverträge für Arbeiter und Angestellte durchsetzen. Dabei gehe es darum, die "überholte und ungerechte" unterschiedliche Eingruppierung und Bezahlung von Arbeitern und Angestellten einander anzugleichen. Zwickel sagte: "Ohne neue Entgelttarifverträge gibt es keinen Abschluss."

Die Voraussetzungen für spürbare Lohn- und Gehaltserhöhungen nannte Zwickel günstig. So seien die Nettogewinne in der Metall- und Elektroindustrie auf 55,1 Mrd. DM im Jahr 2000 gestiegen. Zugleich seien die Lohnstückkosten zwischen 1995 und 2000 um 15 % gesunken. Schließlich sei die Lohnquote mit 18,8 % im Jahr 2000 gegenüber 26,9 % im Jahr 1993 noch nie so niedrig gewesen. "Unsere Forderungen sind also nicht nur berechtigt, sie sind auch angemessen und bezahlbar", sagte Zwickel.

Auf scharfe Reaktionen stieß die Empfehlung des Gewerkschaftsvorstands beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Sein Präsident Martin Kannegiesser erklärte in Köln, die Lohnforderung lasse "jedes Augenmaß vermissen". Sie gehe an den wirtschaftlichen Realitäten vorbei und setze falsche Signale für Beschäftigung und Arbeitsmarkt in der gesamten deutschen Volkswirtschaft, kritisierte der Präsident von Gesamtmetall.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%