Arbeitgeber wiegen sich in falscher Sicherheit
Top-Mitarbeiter in Krise nicht vernachlässigen

In der aktuellen Wirtschaftsflaute vernachlässigen viele Unternehmen nach Einschätzung einer Personalexpertin selbst ihre besten Mitarbeiter.

dpa MÜNCHEN. Die Chefs gingen davon aus, dass es wegen der schwachen Konjunktur kaum Alternativen bei anderen Unternehmen gebe, sagt Christine Borneff, Geschäftsführerin der Headhunting-Firma SpencerStuart, in München. "Sie wiegen sich in falscher Sicherheit und vernachlässigen ihre Top-Leute." Spätestens beim nächsten Aufschwung wechseln diese Mitarbeiter dann zur Konkurrenz. "Sie sind untreuer, als viele Chefs denken", warnt sie. Viele Top-Manager suchten gerade in Krisenzeiten aktiv nach anderen Chancen, um im Falle einer Kündigung Alternativen zu haben.

Dies habe auch eine Umfrage unter 200 Führungskräften in Europa und den USA durch SpencerStuart in den vergangenen Monaten ergeben. "95 Prozent der Befragten in Europa und 64 Prozent der Befragten in Amerika bekundeten Interesse an einer neuen Position außerhalb ihres Unternehmens und wollten sich seriös darüber informieren", sagt Borneff. Gerade von großen Unternehmen werde dieses Risiko oft nicht richtig erkannt. "Und beim nächsten Aufschwung müssen sie dann wieder händeringend nach Top-Leuten suchen", ergänzt Borneff.

Um zu verhindern, dass die besten Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, sollten die Firmen sie nach Ansicht der Headhunterin immer wieder motivieren und bestärken. "Gerade gute Mitarbeiter wollen sich geschätzt fühlen", sagt sie. Wichtig sei außerdem ein gutes Betriebsklima und ein gutes Image der Firma.

Hat ein Mitarbeiter schon innerlich gekündigt, kommen diese Bemühungen zu spät. In der Umfrage sagten mehr als zwei Drittel der Befragten, die vor kurzem den Arbeitgeber gewechselt hatten, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber nichts mehr hätte tun können, um sie zum Bleiben zu bewegen. "Sind Wechselentscheidungen einmal getroffen, werden sie folglich auch durchgezogen", sagt Borneff. Anders als noch vor 20 Jahren sei es heute gerade für Top-Manager üblich, die Firma mehrmals in der Karriere zu wechseln. "Das sorgt heute eher für Pluspunkte".

Mit einem Umsatz von rund 17 Millionen Euro und 70 Mitarbeitern gehört die Headhunting-Agentur SpencerStuart nach eigenen Angaben zu den größten in Deutschland und ist weltweit die Nummer drei.

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