Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt soll Aufsichtsratchef des VfBStuttgart werden
„Wir treten nicht mit Geldkoffern an“

Gelangweilt sitzt Felix Magath im Hinterzimmer des Vereinsheims und spielt mit seinem Teebeutel. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart diskutiert seit einer halben Stunde in vertrauter Runde mit einer Hand voll schwäbischer Journalisten über die Taktik für das nächste Spiel.

STUTTGART. Der für die Pressekonferenz an seinem Jackett befestigte Aufkleber des Hauptsponsors Debitel droht jeden Moment abzufallen. Für die Journalisten gibt es Brezeln mit Butter. "Das ist hier nicht wie bei den Bayern, wo die Kamera schon läuft, wenn sich nur einer die Schuhe zubindet", beschreibt Manager Rolf Rüssmann den Bundesliga-Alltag. Doch damit soll es bald vorbei sein. Denn ein neuer Star soll dem Traditionsverein wieder zu altem Glanz verhelfen. Er ist kein Ballzauberer, doch seine Qualitäten sind unbestritten. Der Mann heißt Dieter Hundt, ist erfolgreicher Unternehmer, Arbeitgeberpräsident und steht auf der Mitgliederversammlung am Dienstag als neuer Chef des Aufsichtsrats zur Wahl. Der 63-jährige ist seit seiner Jugend Anhänger des Vereins und will den Klub wieder fit für die Zukunft machen.

"Der VfB ist einer der traditionsreichsten Vereine in Deutschland und ein wichtiger Standortfaktor in der Region", sagt er, und genau das müsse endlich wieder deutlich werden. Doch der designierte Aufsichtsratchef tritt ein schweres Erbe an: Beim VfB hat sich in der Ära des ehemaligen Klubpräsidenten und heutigen Chefs des Deutschen Fußball Bundes, Gerhard Meyer-Vorfelder, ein Schuldenberg von 20 Millionen Euro angehäuft. Hinzu kommen nach der Kirch-Pleite Mindereinnahmen aus der Vermarktung der TV-Rechte in Höhe von acht Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre. Bei einem Jahresetat von rund 35 Millionen Euro bedeutet das für den VfB einen radikalen Sparkurs. Weitere finanzielle Dauerbelastung ist das Stadion.

Die Stadt Stuttgart kommt dem Verein allerdings mit einer Stundung eines Teils der Miete entgegen. Jährliche Zahlungen für die Vermarktung der neuen Tribüne in Höhe von 2,7 Millionen Euro werden zunächst für zwei Jahre ausgesetzt. Das reicht jedoch nicht aus. Zu Saisonbeginn schnallte Rüssmann den VfB-Gürtel enger und strich den Spielern die Prämien. Deren Protest lässt den Manager kalt. "Diese Maßnahmen sind nach dem Kirch-Crash unausbleiblich", sagt er unmissverständlich. Missverständnissen will auch Hundt vorbeugen. "Wir sind keine Handaufleger und treten auch nicht mit Geldkoffern an", bremst er die hohen Erwartungen.

Mit "wir" meint Hundt das von ihm für den Aufsichtsrat ausgewählte Team. Dies besteht aus Joachim Schmidt (Vertriebschef von Mercedes-Benz), Bernhard Schreier (Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG), Hans-Dietmar Sauer (Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg) und Gerd E. Mäuser (Marketingleiter bei Porsche)

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Deren wichtigste Aufgabe wird sein, die Vermarktung des VfB Stuttgart zu verbessern. "Das ist eine der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands", meint Rüssmann. "Wir haben unser Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft", erklärt der Manager und deutet mit einer Handbewegung auf die Werbetafel des VfB. Auf der fehlen bislang die meisten großen Unternehmensnamen aus der Region. Dass die Mitglieder des VfB Hundt zum neuen Aufsichtsratschef wählen, bezweifelt in Stuttgart eigentlich niemand. Zusammen mit dem Arbeitgeberpräsidenten will Manager Rüssmann dem ehemaligen Spitzenklub dann in den nächsten eineinhalb Jahren ein "modernes Kleid" verpassen.

Wie das aussieht? "Wir brauchen weniger Kosten und mehr Einnahmen", bringt Rüssmann die schlichte Strategie auf den Punkt. Eines macht er aber sofort klar: "Wir können nicht auch noch die Spieler verkaufen, die den Laden hochhalten." Bleibt die Hoffnung auf höhere Einnahmen - und auf Hundt. Der Arbeitgeberpräsident hüllt sich vor seiner Wahl zwar in Schweigen, ließ aber durchblicken, er habe sich bereits der Unterstützung der Wirtschaft aus der Region vergewissert.

Quelle: Handelsblatt

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