Arbeitgeberverband: "6,5 Prozent sind völlig weltfremd"
Zehntausende streiken vor Südwest-Metall-Tarifrunde

Begleitet von der größten Warnstreikwelle seit dem Beginn der diesjährigen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hat am Mittwoch die möglicherweise entscheidende siebte Runde in Baden-Württemberg begonnen.

Reuters LUDWIGSBURG. Vor Beginn der auf zwei Tage angesetzten Verhandlungen in Ludwigsburg bei Stuttgart bezeichnete der Arbeitgeberverband Gesamtmetall die von der IG Metall erhobene Forderung nach 6,5 % mehr Lohn und Gehalt für die 3,6 Mill. Beschäftigten in der Branche als völlig weltfremd, zumal die Produktion der Branche im Februar um mehr als 9 % eingebrochen sei. Südwestmetall-Verhandlungsführer Otmar Zwiebelhofer sagte, die Arbeitgeber wollten ihr Angebot von zwei Prozent für dieses und das nächste Jahr nicht aufbessern: "Wir legen nichts drauf." Die IG Metall fordert 6,5 %.

Die Gespräche sollten am frühen Abend unterbrochen werden, so dass mit einem Ergebnis frühestens am Donnerstag gerechnet wurde. IG-Metall-Verhandlungsführer Berthold Huber sagte, er sei fest entschlossen, bis Donnerstag zu einem Abschluss zu kommen. "Wir müssen sehen, wo die Schmerzgrenze liegt."

Scharfe Kritik äußerten die Arbeitgeber an den ausgeweiteten Warnstreiks. In Bayern, in Baden-Württemberg und im Bezirk Küste legten nach Angaben der Gewerkschaft am Mittwoch mehr als 70 000 Arbeiter und Angestellte vorübergehend die Arbeit nieder.

Trotz der unverändert weit auseinanderliegenden Forderungen hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft zuletzt ihren Willen zur Einigung am Verhandlungstisch bekräftigt. Am Montag hatten beide Seiten mit der Einigung auf eine schrittweise Angleichung der Löhne von Arbeitern an die Angestelltengehälter von 2004 an bereits einen ersten Durchbruch erzielt.

Wettlauf mit Chemie-Tarifverhandlungen

Die Tarifpartner stehen zweifach unter Zeitdruck: Zum einen hat IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber eine Einigungsfrist bis zum nächsten Mittwoch gesetzt, an dem die große Tarifkommission über die Einleitung der Urabstimmung entscheiden müsste. Der Vorstand der IG Metall trifft sich am Donnerstag in Ludwigsburg zu Beratungen über die Ergebnisse der Verhandlungen. Zum anderen liefern sich die Metaller einen Wettlauf mit der westdeutschen Chemieindustrie, die zur gleichen Zeit in Lahnstein über einen Tarifabschluss verhandelt. Beide Parteien haben dort bereits den Willen zu einem Abschluss bekundet. Nach Schätzungen von Volkswirten könnte dieser zwischen 3,0 und 3,25 % liegen, während sich die Metaller bei etwa 3,5 % einigen könnten.

Stihl ist zuversichtlich

Zuversicht äußerte am Mittwoch der ehemalige Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT), Hans-Peter Stihl. Er erwarte eine Einigung bis zum Wochenende, sagte er in Waiblingen. "Ein Arbeitskampf würde die Erholung mit Sicherheit behindern." Deutsche Unternehmen würden dann eher im Ausland investieren.

Die Warnstreiks konzentrierten sich am Mittwoch im Südwesten vor allem auf die Automobilindustrie. In Neckarsulm (Audi) und in Stuttgart-Zuffenhausen (Porsche) hatte die IG Metall mehrere tausend Arbeitnehmer zu Demonstrationen aufgerufen. In Bayern beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben in Schweinfurt und bei MAN in München 15 000 Arbeitnehmer, weit mehr als erwartet, an zwei Demonstrationszügen. Die bayerischen Metaller hatten die Verhandlungen am Dienstagabend auf den kommenden Montag vertagt. Die letzte Chance zu einer friedlichen Einigung sei dann vorbei, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer. In Norddeutschland rechnete die Gewerkschaft bei ihrem ersten großen Aktionstag mit mehr als 30 000 Warnstreikenden in 151 Betrieben.

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