Arbeitsämter auf der Suche
Regierung ruft nach mehr Lehrstellen

Zum "Tag des Ausbildungsplatzes" hat die Bundesregierung die Unternehmen aufgerufen, mehr Ausbildungsplätze bereitzustellen. Nach Ansicht von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wäre es verantwortungslos, wenn junge Menschen auf der Straße blieben.

HB/dpa BERLIN. Er sagte am Dienstag in Berlin, jetzt sei gemeinsames Handeln von Politik und Wirtschaft ohne staatlichen Zwang oder neue Umverteilungsmaßnahmen nötig. Falls das nicht funktioniere, müsse man sich "über andere Maßnahmen" unterhalten. Die Unternehmen sollten ihrer ethischen Verantwortung nachkommen.

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn und Arbeitsminister Wolfgang Clement (beide SPD) äußerten die Sorge, dass zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres im September 60 000, möglicherweise sogar 70 000 Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen. Die Wirtschaft widersprach und warnte vor Dramatisierung. Die Grünen werteten die Lehrstellen- Situation dagegen als "katastrophal".

Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, verschickten Bulmahn und Clement am Dienstag 100 000 Briefe an Firmen, in denen sie für zusätzliche Ausbildungsplätze werben. Die Schreiben gingen an Betriebe, die nach Darstellung der Regierung ihr Ausbildungspotenzial noch nicht ausgeschöpft haben.

Bulmahn zeigte sich im Bayerischen Rundfunk zuversichtlich, dass die Lehrstellenmisere noch behoben werden kann. Sie verwies dazu auf die von der Regierung eingeleiteten Schritte wie die Aufhebung der Ausbildungseignungsverordnung oder finanzielle Ausbildungshilfen. Derzeit gebe es rund 170 000 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag. Eine gesetzliche Ausbildungsplatzabgabe sieht Bulmahn als letztes Mittel an. Sie setze auf tarifvertragliche Lösungen nach dem Vorbild der Metallbranche in Niedersachsen.

Auch Clement (SPD) ist optimistisch, den Mangel in den Griff zu bekommen. Dafür müsse aber alles "mobilisiert werden, was zu mobilisieren ist, um mehr Ausbildungsplätze zur Verfügen stellen zu können", sagte Clement im ZDF -"Morgenmagazin". Eine Ausbildungsabgabe für Betriebe stehe aber nicht zur Debatte. Er sei "eindeutig gegen eine Abgabe" und setze auf die Eigenverantwortung der Unternehmen.

Zum "Tag des Ausbildungsplatzes" warben tausende Beschäftigte von Arbeitsämtern bei Betrieben und Verwaltungen um neue Lehrstellen. Die Vermittler und Berufsberater seien bevorzugt in Firmen vorstellig geworden, die bislang keine Lehrstellen gemeldet haben, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg. Im vergangenen Jahr waren bei der Aktion 11 300 Lehrstellen akquiriert worden. 2001 waren es rund 12 000.

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft weniger angespannt als befürchtet. In den Unternehmen fehlten bis Ende September voraussichtlich noch 20 000 bis 30 000 Ausbildungsplätze. Damit liege das Angebot betrieblicher Lehrstellen knapp vier Prozent unter Vorjahrsniveau. Die Ausbildungsplatzlücke werde kleiner sein als von der BA prognostiziert.

Als Stütze des Lehrstellenmarktes erwiesen sich der Umfrage zu Folge vor allem kleinere Betriebe. Sieben von zehn Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten wollen ihr Angebot aufrechterhalten oder sogar erweitern. Als Hemmnis für Lehrstellen nannten die 900 im Mai befragten Betriebe die Konjunkturflaute sowie mangelnde Qualifikation der Bewerber.

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