Arbeitsgericht bestätigt Arbeitgeber
Fristlose Kündigung fürs „Narrenschiff“

Der Vergleich seines Unternehmens mit der Besatzung des "Narrenschiffs" in einem Lied von Reinhard Mey hat einen Redakteur den Arbeitsplatz in einer Werbefirma gekostet. Das Arbeitsgericht Wiesbaden bestätigte in einer am Donnerstag bekannt gewordenen Entscheidung die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers (Az: 3 Ca 33/01).

HB WIESBADEN. Der Redakteur hatte als Neujahrsgruß über E-Mail an alle 150 Beschäftigten der Firma den Text des Mey-Liedes "Das Narrenschiff" verschickt. In dem Text des Liedermachers heißt es unter anderem: "Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken". Die Mannschaft bestehe aus "meineidigen Halunken". Die Geschäftsführung des offenbar in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmens bezog die Aussagen zu der Besatzung des "Narrenschiffs" auf sich und die Belegschaft und kündigte dem Redakteur wegen "massiver Verunglimpfung" fristlos.

Die Richter bestätigten die harte Maßnahme des Unternehmens. Der Redakteur habe nicht nur die Geschäftsführung des Unternehmens, sondern auch alle seine Kollegen verunglimpft. Jedem Leser der E-Mail habe in der gegebenen wirtschaftlichen Lage der Firma klar sein müssen, dass der übersandte Liedtext eine "zynische Deutung der personellen und finanziellen Situation" sein sollte. Vor diesem Hintergrund sei der Firma die Beschäftigung des Redakteurs auch nur bis zum Ende der Kündigungsfrist nicht mehr zumutbar gewesen, heißt es in der Entscheidung.

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