Arbeitskampf auf Berlin und Brandenburg ausgeweitet
Neue Bewegung im Tarifstreit

Nach einer Woche Streik gehen Arbeitgeber und Gewerkschaft im Tarifkonflikt der Metallbranche wieder aufeinander zu: Am Montagabend wollten sich beide Seiten im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg zu einem Sondierungsgespräch treffen, wie die IG Metall in Stuttgart mitteilte.

WiWo/ap STUTTGART/BERLIN. Erstmals wurde am Montag im Tarifgebiet Berlin-Brandenburg gestreikt. Zu Beginn der zweiten Streikwoche im Südwesten waren am Montag Beschäftigte in 13 Betrieben zum Streik aufgerufen. Bei dem Sondierungsgespräch an einem geheimen Ort solle ausgelotet werden, ob es Möglichkeiten für einen neuen Verhandlungsansatz in Baden-Württemberg gebe, teilte die IG-Metall mit.

Bezirkschef Berthold Huber sagte jedoch, eine Wiederaufnahme auf Basis des Ludwigsburger Arbeitgeber-Angebots sei aus seiner Sicht nicht möglich. Dabei hatten die Arbeitgeber 3,3 % mehr Geld für 13 Monate sowie eine Einmalzahlung von 190 ? angeboten. Die Gewerkschaft fordert im Gesamtvolumen 6,5 % mehr Geld. Huber sagte auf der Kundgebung in Sindelfingen, die IG Metall sei in den Streik getreten, um ein faires, gutes und akzeptables Ergebnis zu erreichen.

"Wenn die Arbeitgeber dazu bereit sind, wird der Streik schnell zu Ende gehen." Wenn nicht, gehe der Arbeitskampf weiter. Huber dämpfte die Erwartungen an das Sondierungsgespräch. "Niemand sollte sich falsche Hoffnungen machen." IG-Metall-Vize Jürgen Peters sagte: "Ich hoffe, dass das Sondierungsgespräch erfolgreich wird und dass wir die Verhandlungen wieder aufnehmen."

Voraussetzung sei aber, dass die Arbeitgeber ein verbessertes Angebot vorlegen. Auch IG-Metall-Chef Klaus Zwickel forderte in Köln ein deutlich verbessertes Angebot. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser begrüßte das geplante Treffen. "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht ein Modell finden, das für beide Seiten noch gerade erträglich ist", erklärte Kannegiesser in Köln.

Im Südwesten rief die IG Metall am Montag insgesamt 53 000 Beschäftigte zum Streik auf. Zum zweiten Mal waren die Beschäftigten von Daimler-Chrysler in Sindelfingen und Rastatt sowie die Beschäftigten bei Audi in Neckarsulm zum eintägigen Arbeitskampf aufgerufen. Auch beim größten Maschinenbaubetrieb im Südwesten, der Firma Heidelberger Druckmaschinen, war ein Streik geplant.

Erster Streik seit 1930

Im Tarifgebiet Berlin-Brandenburg ruhte in sieben Betrieben der Region die Arbeit, darunter bei Daimler-Chrysler, Babcock Borsig und Otis. Am Abend sollte auch beim Bahnfahrzeughersteller Bombardier in Hennigsdorf bei Berlin der Streik beginnen. In Berlin und Brandenburg sind die Metaller zum ersten Mal seit 1930 im Ausstand. Insgesamt hat die IG Metall in dieser Woche 10 000 Mitglieder in 25 Betrieben des Tarifgebietes aufgerufen, ihre Arbeit nieder zu legen. Peters sagte vor dem Daimler-Chrysler-Werk in Berlin-Marienfelde, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West eines der wichtigsten Ziele des Arbeitskampfs sei. Zwickel warnte die Arbeitgeber vor rund 11 000 Mitarbeitern der Ford-Werke in Köln, die sich zu einem etwa zweistündigen Warnstreik versammelt hatten, vor Tarifflucht.

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