Arbeitskampf bei Lufthansa
Kommentar: Der Kranich muss Federn lassen

Das hat es bei Tarifverhandlungen schon lange nicht mehr gegeben: 35 % mehr Gehalt fordern die Piloten der Lufthansa und sprengen damit den Rahmen des Üblichen gleich um ein Vielfaches. Doch was zunächst maßlos erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung vor allem als Ausgleich für alten Verzicht. Anfang der neunziger Jahre, als die Lufthansa in finanziellen Turbulenzen steckte, akzeptierte ihr Cockpitpersonal Gehaltseinbußen von mehr als 30 %. Dieser Wechsel auf die Zukunft ist von der Fluggesellschaft bis heute nicht beglichen worden. Mit der Folge, dass ihre Piloten am unteren Ende der Gehaltsskala vergleichbarer Airlines rangieren.

Zwar nagen sie bei Gehältern zwischen 100 000 und 300 000 Mark auch dort nicht am Hungertuch. Doch angesichts eines Rekordjahres bei der Lufthansa ist der geforderte Anschluss an das internationale Einkommensniveau wirtschaftlich drin. Der Absturz der Lufthansa-Aktie ist denn auch eher den befürchteten Kosten eines Streiks zuzuschreiben als der Furcht der Anleger, der Kranich könnte bei höheren Pilotengehältern nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Dass es zu einem Arbeitskampf kommt, ist freilich trotz der nun gescheiterten Tarifverhandlungen noch längst nicht ausgemachte Sache. Bis Anfang Mai läuft die Frist, in der sich die Piloten für den Streik entscheiden müssen. Für beide Seiten reichlich Zeit, noch einmal über die eigene Position nachzudenken.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit hat schon angekündigt, dass sie bei einem besseren Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehren würde. Die Lufthansa täte gut daran, die Chance zu ergreifen. Angesichts des aufgestauten Ärgers vieler Flugkapitäne dürfte es ihr kaum gelingen, die Forderungen mit Unnachgiebigkeit abzuwehren. Ein langwieriger Arbeitskampf aber wäre das letzte, was die Fluggesellschaft im harten internationalen Wettbewerb gebrauchen könnte - die Passagiere noch weniger.

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