Arbeitslosenquote unverändert
Erste Lichtblicke für den US-Arbeitsmarkt

Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich im Juli erstaunlich stabil: Die Arbeitslosenquote hat sich nicht verändert, für viele Analysten ein kleiner Hoffnungsschimmer. Der Negativsog der Wirtschaft habe sich deutlich abgeschwächt, war die überwiegende Einschätzung. Dennoch: Der Aufschwung lässt weiter auf sich warten.

WASHINGTON. Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich im Juli besser dargestellt als von den meisten Analysten erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft verringerte sich um 42 000, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Die Arbeitslosenquote lag damit unverändert bei 4,5 %. Experten hatten mit einem Anstieg auf 4,6 bis 4,7 % gerechnet. Im Juni hatte der Stellenrückgang noch 93 000 betragen.

In der Privatwirtschaft fielen im Juli insgesamt 73 000 Jobs weg. Das Produzierende Gewerbe verzeichnete ein Minus von 49 000 Arbeitsplätzen, der geringste Wert seit Dezember vergangenen Jahres. In der Service-Industrie, die in den USA vier von fünf Jobs bereitstellt, wurden 26 000 Stellen gestrichen. Seit März verzeichnet der Dienstleistungs-Bereich, lange das Schmiermittel der Wirtschaft, keinen Netto-Zuwachs an Jobs mehr. Demgegenüber stieg die Zahl der Regierungsbeschäftigten um 31 000. "Das lässt das Gesamtbild auf dem Arbeitsmarkt etwas besser aussehen, als es ist", sagte Carey Leahey von Deutsche Bank Securities.

Produzierendes Gewerbe bleibt Sorgenkind der amerikanischen Konjunktur

Das Produzierende Gewerbe bleibt das Sorgenkind der Konjunktur. Besonders betroffen waren im Juli die Elektronik-Branche sowie die Hersteller von Industrie-Maschinen. Beide Segmente, die etwa 40 % der rund 632 000 Stellen im Produzierenden Gewerbe liefern, spielen eine Schlüsselrolle beim Abschwung der US-Wirtschaft. Viele Unternehmen hatten ihre Produktions-Kapazitäten in der Hoffnung auf weitere Auftragseingänge erheblich ausgeweitet. Doch seit Mitte vergangenen Jahres blieben immer mehr Firmen auf ihren Waren sitzen.

Erschwerend hinzu kam der starke Dollar, der seit Einführung des Euros rund 30 % an Wert zulegte. Dies verbilligte zwar die Importe, schwächte aber die Konkurrenzfähigkeit der Export-Wirtschaft. Das Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt fiel im zweiten Quartal dieses Jahres mit 0,7 % entsprechend mager aus. Auch der Dienstleistungs-Bereich sorgte für wenig Lichtblicke. Der Einkaufsmanager-Index des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes (NAPM) fiel im Juli gegenüber dem Vormonat um 3,2 Punkte auf 48,9. Erst Zahlen über 50 weisen auf eine expansive Wirtschaft hin.

Anzeichen von Stabilisierung

Trotz der durchwachsenen Bilanz bei Arbeitsmarkt und Bruttoinlandsprodukt überwog bei den Analysten der Eindruck der Schadensbegrenzung. ,,Es sieht so aus, als ob das Allerschlimmste vorüber sei", erklärte Ian Shepherdson, Chef-Volkswirt von High Frequency Economics Ltd. in Valhalla (New York). "Die Wirtschaft bleibt schwach, aber es gibt Anzeichen von Stabilisierung", sagte Bruce Steinberg, Chef Volkswirt bei Merrill Lynch.

Experten werten als positiv, dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den letzten Wochen zurückgegangen ist. Auch die Kauflust der Amerikaner hat trotz der Ankündigung von Firmen wie Du-Pont, JDS Uniphase und Pricewaterhouse-Coopers, weitere Arbeitsplätze abzubauen, wenig gelitten. Nach der Juli-Erhebung des Konjunkturforschungs-Instituts Conference Board fiel der Index für das Verbrauchervertrauen gegenüber dem Vormonat zwar von 118,9 auf 116,5 Punkte. Dennoch gaben die Konsumenten im Juni 0,4 % mehr aus als im Mai, wie das Handelsministerium mitteilte.

Damit bleibt die Hoffnung, dass die Binnennachfrage den Konjunktur-Motor wieder auf Touren bringt. Die US-Wirtschaft wird erfahrungsgemäß zu zwei Dritteln aus dem privaten Konsum gespeist. Mehrere günstige Rahmenbedingungen unterfüttern die relativ hohe Kaufbereitschaft. So sind die Zinsen vergleichsweise niedrig. Auch haben die Energiepreise in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben. Die in diesen Wochen verschickten Schecks zur Steuerrückerstattung dürften ebenfalls dafür sorgen, dass die Brieftasche lockerer sitzt. Die allgemeine Einkommensentwicklung passt ins Bild. Nach einem Bericht des Arbeitsministeriums betrug der durchschnittliche Stundenlohn eines Arbeiters im Juli 14,35 $, ein Anstieg von 4,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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