Arbeitslosenzahl im September niedriger als erwartet
Jobkrise wirft Schatten auf die Konjunktur

Auf den ersten Blick sind die September-Zahlen ja gar nicht so schlecht: Zum ersten Mal seit Juni waren in Deutschland wieder weniger als vier Millionen Menschen ohne Job, verkündete Florian Gerster, Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), gestern in Nürnberg.

ost DÜSSELDORF. Die Arbeitslosenquote sank zum zweiten Mal in Folge auf jetzt 9,5 % nach 9,6 % im August. Und sogar saisonbereinigt fiel die Zahl der Arbeitslosen um   000 auf 4,098 Millionen - der erste Rückgang seit März. Volkswirte hatten dagegen einem Anstieg um 15 000 prognostiziert. "Die Zahlen waren deutlich besser, als wir erwartet hatten", sagt Manuela Preuschl von der Deutschen Bank.

Die lang ersehnte Trendwende auf dem Arbeitsmarkt, hat sie im September endlich begonnen? Fachleute winken ab. BA-Chef Gerster rechnet im Jahresdurchschnitt mit knapp über vier Millionen Arbeitslosen - "die wirtschaftliche Dynamik ist noch zu schwach und zu wenig gefestigt, um den Arbeitsmarkt zu beleben", so Gerster. Rolf Schneider, Leiter der Abteilung Makro-Research bei der Dresdner Bank, betont: "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt weiter labil."

Arbeitslosigkeit steigt wieder an

Schon in den nächsten Monaten dürfte die Arbeitslosigkeit wieder deutlich steigen - auf bis zu 4,5 Millionen Anfang des kommenden Jahres, fürchten zahlreiche Volkswirte. "Im Frühjahr können wir in diese Größenordnung vorstoßen", sagte Preuschl.

Im September sanken die Arbeitslosenzahlen vor allem wegen der "üblichen Herbstbelebung", wie es BA-Chef Gerster formulierte. Mit 3,942 Millionen waren 76 400 Menschen weniger arbeitslos als im August - gegenüber September 2001 stieg die Zahl aber um fast 199 000.

Rückgang ist Produkt statistischer Arithmetik

Und Peter Leonhard, Volkswirt bei der Deka-Bank, betont: "Der Rückgang gegenüber August spiegelt keine konjunkturelle Belebung wider, sondern ist wie in den Monaten zuvor das Produkt statistischer Arithmetik." So verschwanden im September zwar knapp 690 000 Arbeitslose aus der Statistik - doch davon trat nur etwas mehr als die Hälfte eine neue Stelle an. Rund 40 % verabschiedeten sich in so genannte "sonstige Nichterwerbstätigkeit".

Hintergrund dieser Entwicklung ist das Job-Aktiv-Gesetz: Es verpflichtet Arbeitslose, aktiv an der Suche nach einem neuen Job mitzuwirken und sich regelmäßig beim Arbeitsamt zu melden. Wer dies nicht tut, wird nicht mehr mitgezählt - oft allerdings nur für kurze Zeit. "Viele, die aus der Statistik verschwunden sind, werden sich nach zwei bis drei Monaten erneut arbeitslos melden", meint Preuschl von der Deutschen Bank.

Hinzu kam ein zweiter Sondereffekt, der vor allem in Ostdeutschland die Arbeitslosigkeit kurzfristig dämpfte: In den von der Flut betroffenen Gebieten weiteten die Arbeitsämter die aktive Arbeitsmarktpolitik deutlich aus - so helfen zum Beispiel knapp 10 000 Arbeitslose mit, die Hochwasser-Schäden zu beseitigen.

Deutlich gestiegen ist im September die Zahl der Kurzarbeiter, die mit 216 000 in Gesamtdeutschland um gut 100 000 höher war als vor einem Jahr. Hauptgrund für den deutlichen Anstieg ist ebenfalls die Hochwasser-Katastrophe: 8 100 von der Flut betroffene Unternehmen schickten bis Ende September 70 000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Dennoch sei der deutliche Anstieg "Besorgnis erregend", betont Dresdner-Bank-Volkswirt Schneider - "er könnte auf neue Konjunktur-Risiken hindeuten."

Quelle: Handelsblatt

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