Arbeitslosenzahlen gestiegen
Schröder unzufrieden mit Arbeitsmarktentwicklung

Der Kanzler verweist aber auf die rückläufige Tendenz bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Die Opposition forderte ihn zum Handeln auf.

ddp BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist unzufrieden mit der aktuellen Arbeitsmarktentwicklung. Bei einem Rundgang durch Berlin sagte der Kanzler am Mittwoch: «Das ist doch klar, wenn man auf die Zahlen schaut.» Er wies aber darauf hin, dass die Langzeitarbeitslosigkeit in der Tendenz rückläufig und die Jugendarbeitslosigkeit zurückgegangen sei. In diesem Jahr werde in diesem Bereich erstmals ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage erreicht.

Die Opposition forderte die Bundesregierung nach den erneut schlechten Arbeitslosenzahlen vom August zum Handeln auf. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, Schröder müsse «endlich die Hände aus dem Schoß nehmen und die Probleme anpacken». Auch der FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle machte die Trägheit der Regierung für den negativen Trend am Arbeitsmarkt verantwortlich. Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Thea Dückert, forderte zusätzliche Maßnahmen. Sie schlug die Einführung des Kombilohns sowie die Subventionierung der Sozialabgaben bei 630-Mark-Jobs vor.

Ende August waren nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit knapp 3,8 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Das waren zwar rund 10.000 Erwerbslose weniger als im Vormonat, aber 8.100 mehr als im selben Monat des Vorjahres. Erstmals seit Beginn der rot-grünen Koalition stieg die Arbeitslosenzahl im Jahresvergleich wieder an.

Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) sieht keinen Grund für Pessimismus. Saisonbereinigt habe sich die Arbeitslosenzahl im August «praktisch nicht verändert», sagte er. Riester wertete die Zahlen als «Momentaufnahme einer konjunkturell bedingten Abkühlung». Es gebe bereits erste Anzeichen einer sich wieder belebenden Konjunktur. Zudem würden Steuerreform, Rentenreform und das geplante Job-Aktiv-Gesetz ihre Wirkung zeigen, sagte der Arbeitsminister.

CDU-Generalsekretär Meyer kritisierte dagegen, der Kanzler habe nur markige Worte, Ankündigungen und haltlose Versprechungen zu bieten. «3,8 Millionen Menschen haben keinen Job und wollen arbeiten. Schröder hat einen Job und will nicht arbeiten», kritisierte der CDU-Politiker. Brüderle sagte, die ruhige Hand des Kanzlers schlage den Arbeitslosen mitten ins Gesicht. Der PDS-Arbeitsmarktexperte Klaus Grehn bemängelte, die Regierung reagiere «auf die wachsende Arbeitslosigkeit zunehmend mit Schuldzuweisungen an die Arbeitslosen».

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer forderte den Kanzler auf, die Arbeitgeber zum Abbau der Überstunden zu bewegen, um mehr Arbeit zu schaffen. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt verlangte angesichts des «desolaten Zustandes» am Arbeitsmarkt «echte Flexibilisierung». Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton F. Börner, warf den Gewerkschaften eine Mitschuld an den Arbeitslosenzahlen vor. Wegen deren Drohungen nach kräftigen Lohnerhöhungen zögerten Unternehmer mit Neueinstellungen:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%