Arbeitslosenzahlen
Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet - Osten hinkt nach

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird nach Einschätzung von Bundesanstalt für Arbeit, führenden Wirtschaftsforschungsinstituten und Gewerkschaften 2001 im Jahresdurchschnitt um bis zu 300 000 abnehmen.

ddp BERLIN Berlin. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird nach Einschätzung von Bundesanstalt für Arbeit, führenden Wirtschaftsforschungsinstituten und Gewerkschaften 2001 im Jahresdurchschnitt um bis zu 300 000 abnehmen. Allerdings dürfte den Prognosen zufolge davon weitgehend nur der Westen profitieren. Während vor allem die Wirtschaftsforscher die Rolle des Bündnisses für Arbeit skeptisch beurteilen, drängt der DGB auf einen baldigen Termin für eine weitere Runde.

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, erwartet 2001 eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 3,63 Mill. nach 3,9 Mill. in diesem Jahr. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Münchner ifo-Institut gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2001 auf 3,6 Mill. sinken wird. Die Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und des Rheinisch-Westfälischen Instituts (RWI), Rüdiger Pohl und Paul Klemmer, rechnen für Gesamtdeutschland zugleich mit einem Aufbau der Beschäftigtenzahl um 400 000 Personen. Das ifo-Institut erwartet 350 000 und Jagoda 250 000 Erwerbstätige mehr. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, rechnet für das kommende Jahr mit einem weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Entwicklung werde sich aber verlangsamen, weil viele der neuen Jobs Teilzeitstellen seien. Genaue Zahlen nannte Zimmermann nicht.

Im Osten bleibe die Arbeitslosigkeit aber "nach wie vor hoch", sagte IfW-Präsident Horst Siebert. Auch ifo-Chef Hans-Werner Sinn betonte, die günstige Entwicklung sei auf den Westen beschränkt. Aus Sicht von IWH-Chef Pohl heben sich im Osten gegenläufige Effekte auf. Während in der Industrie mehr Leute beschäftigt würden, schrumpfe der Bausektor weiter. Auch Jagoda räumte ein, von dem Rückgang in Gesamtdeutschland dürften nur 30.000 Stellen auf den Osten entfallen. Insgesamt werde im Osten die Durststrecke 2001 noch immer nicht vorbei sein.

Dem Bündnis für Arbeit trauen die Forscher nicht mehr viel zu. DIW-Präsident Zimmermann, hält es für unwahrscheinlich, dass aus den Gesprächen weitere Impulse kommen. Die Regierung orientiere sich bereits am Wahljahr 2002 und honoriere die Gewerkschaften für ihre mäßige Lohnpolitik mit Reformen. Nach Ansicht von Pohl ist das Bündnis "klinisch tot". Er und IfW-Chef Siebert äußerten zugleich die Befürchtung, dass das Bündnis zu mehr Regulierung auf dem Arbeitsmarkt führt. Die Erwartung von RWI-Präsident Klemmer an das Bündnis ist ebenfalls "äußerst bescheiden". Der Präsident des HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung in Hamburg, Thomas Straubhaar, erwartet gleichfalls "keine nennenswerten Erfolge" für den Arbeitsmarkt durch die Kanzlerrunde. Ifo-Chef Sinn verlangte vom Bündnis für Arbeit, im Osten eine "Kehrtwende in der Lohnpolitik" einzuleiten. Die Unternehmen könnten den Arbeitnehmern Lohnsenkungen gegen eine Mitbeteiligung "abkaufen".

Die Gewerkschaften geben dem Bündnis durchaus eine Perspektive. DGB-Chef Dieter Schulte drängt auf eine baldige Spitzenrunde und hält dafür Februar, Anfang März für eine "gute Zielmarke". Ziel müssten Absprachen über eine umfassende Offensive im Bereich Bildung und Qualifizierung sein. Auch beim Beschäftigungsaufbau müsse das Bündnis weiter vorankommen. Der in den Prognosen erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit gehe "viel zu langsam", sagte Schulte. Überstunden könnten zur Hälfte in Arbeitsplätze umgewandelt werden. Der DGB wolle zudem im nächsten Jahr die Beteiligung am Produktivvermögen forcieren. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) erhofft sich vom Bündnis für Arbeit vor allem flankierende Maßnahmen, um die Chancen von Langzeitarbeitslosen zur Reintegration auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, wie DAG-Chef Roland Issen hervorhob.

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