Arbeitslosigkeit gestiegen
Schwache US-Daten drücken Börsen in den Keller

Nachdem die Arbeitslosigkeit in den USA stark gestiegen ist, wächst an den Börsen weltweit die Nervosität. Der Dax steht weiter unter Druck, auch die Wall Street tendiert schwächer.

Reuters/vwd FRANKFURT. Enttäuschende Unternehmens- und US-Konjunkturnachrichten haben die internationalen Aktienmärkte am Freitag weiter unter Druck gebracht. Die Ankündigung des weltgrößten US-Chipherstellers Intel, ein am unteren Ende der Erwartungen liegendes Quartalsergebnis zu erreichen, ein Gewinneinbruch beim Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re und die deutlich schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten ließen den Dax am Nachmittag um rund zwei Prozent bis auf 4758 Punkte purzeln, dem niedrigsten Stand seit Ende März 1999. Auch am Neuen Markt fielen die Kurse auf Rekordtiefs. Eine Empfehlung des europäischen Halbleitersektors durch die US-Investmentbank Goldman Sachs bremste nur zeitweise die Talfahrt etwas.

Händler sprachen vereinzelt von Panikverkäufen am Markt. Eine nächste Unterstützungslinie im Dax sehen Analysten bei 4500 Punkten. "Die letzte war bei 4850, da sind wir durchgerauscht", sagte ein Händler. Weitere Kursverluste wurden erwartet. Die Anleger seien verunsichert, und Fondsmanager bekämen Anweisungen, nichts zu investieren. "Diese Phase kann, wenn wir Pech haben, auch mal ein Jahr anhalten."



Sehr schwach startete auch die Wall Street am Freitag in den Handel. Der aus 30 Industriewerten gebildete Dow-Jones-Index (DJIA) verlor bis gegen 15.41 Uhr MESZ 1,5 Prozent bzw 151,82 Stellen auf 9.689,02.

Das US-Arbeitsministerium teilte am Nachmittag mit, die Zahl der Beschäftigten in den USA sei im August im Vergleich zum Vormonat um 113 000 geschrumpft, nach einem Anstieg von revidiert 13 000 (minus 42 000) im Juli. Die Arbeitslosenquote sei auf 4,9 von zuvor 4,5 % gestiegen, dem höchsten Stand seit September 1997. Analysten hatten mit einem Beschäftigungsrückgang von 33 000 Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,6 % gerechnet. Der Euro reagierte auf die mit großer Spannung erwarteten Daten mit Kursgewinnen.

Intel hatte am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitgeteilt, beim Umsatz im dritten Quartal im unterem Bereich seiner im Juli abgegebenen Prognosen zu liegen. "Das liegt zwar im Rahmen der Erwartungen, aber eben nur am unteren Ende", sagte Florian Weber, Aktienhändler beim Börsenmakler Schnigge. Für Investoren sei diese Prognose ein Grund zu verkaufen, da sie nicht unbedingt eine Verbesserung der Unternehmenssituation bedeute.

Zusätzlicher Verkaufsdruck kam mit der Nachricht über den Gewinneinbruch beim Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re auf, dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt. Das Ergebnis habe die Erwartungen nur knapp getroffen, sagten Händler. "Die grundsätzliche Situation ist im Moment noch sehr negativ, und die Anleger sind im Moment einfach bereit, auf die negativen Nachrichten sofort mit Verkäufen zu reagieren", beschrieb ein Aktienhändler die Stimmung am Markt.

Deutsche Telekom fielen zeitweise um mehr als vier Prozent unter die Marke von 15 Euro und näherten sich ihrem Emissionspreis von 14,57 Euro an. Bedenken über die Verschuldung des Unternehmens sowie Zweifel an der Leistungsfähigkeit des UMTS-Mobilfunkstandards drückten die Titel, sagten Händler. Früheren Angaben aus Branchenkreisen zufolge gibt es bei mehreren internationalen Mobilfunkanbietern Überlegungen, aus Kostengründen die bislang geplante Geschwindigkeit von Datenübertragungen über die künftigen UMTS-Mobilfunknetze zu reduzieren.

Einen Lichtblick lieferte allerdings eine Empfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs, den Halbleitersektor überzugewichten. Die Bank hatte zur Begründung mitgeteilt, die Aktien des Halbleitersektors in Europa seien billiger als in anderen Regionen und zudem überverkauft. Die Aktien des Münchener Chip-Konzerns Infineon setzten sich daraufhin an die Spitze der Gewinnerliste mit einem Plus von mehr als vier Prozent auf 22,75 Euro. Die Papiere der auf elektronische Bauelemente spezialisierten Schwesterfirma Epos gewannen knapp ein Prozent auf 39,10 Euro. Untermauert wurde die positive Tendenz von Nachrichten des französisch-italienischen Halbleiterherstellers STMicroelectronics, im vierten Quartal eine Erholung des Halbleitermarktes zu erwarten. STM-Aktien gewannen 3,2 % auf 29,19 Euro.

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