Arbeitsmarkt für Banker
Job-Chancen für Universalisten und High Potentials

Zunächst sah es so aus, als wäre der Arbeitsmarkt für Bankangestellte weniger schlimm betroffen als angenommen. Zwar haben die großen Kreditinstitute Mitarbeiter entlassen oder in den Ruhestand verbannt, doch die Gesamtzahl der Beschäftigten ist 2001 nur um knapp ein Prozent gesunken.

HB DÜSSELDORF. Grund zur Entwarnung ist das nicht: Der vor allem von den Großbanken angekündigte Stellenabbau ist längst noch nicht abgeschlossen.

Der Arbeitgeberverband der Banken beziffert die Arbeitslosenquote im Bankgewerbe auf 1,9 Prozent für das Jahr 2001. Im Vergleich zu einer bundesweiten Arbeitslosenquote von knapp elf Prozent ein erfreulich niedriger Wert. Dennoch haben sich die Bedingungen für Berufseinsteiger und Arbeitssuchende verschlechtert. Lange Zeit galt die Bankenbranche als krisenfester Arbeitgeber mit Wachstumsgarantie. Im Jahr 2001 aber war die Zahl der Beschäftigten im gesamten Kreditgewerbe erstmals seit 1995 wieder zurückgegangen.

Insgesamt 750 000 Mitarbeiter waren 2001 bei deutschen Kreditinstituten beschäftigt - rund 8000 weniger als im Vorjahr. Dr. Heinz-Dieter Sauer, Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband Banken, rechnet insbesondere bei Privatbanken mit einem anhaltenden Stellenabbau auch in 2003. "Uns liegen zwar noch nicht alle Zahlen für 2002 vor, doch zeichnet sich bei den Privatbanken ein Rückgang von weiteren 10 000 Mitarbeitern ab." Auch bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken zeige der Trend leicht nach unten: "Ich schätze, dass diese Entwicklung 2003 eine ähnliche Größenordnung erreicht, wie 2002. Mit einer Dämpfung des Stellenabbaus rechne ich deshalb frühestens 2004", prognostiziert Sauer im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Stellenabbau ist noch voll im Gange. So hat etwa Branchenprimus Deutsche Bank seit Ende 2000 rund 11 000 Stellen weltweit abgebaut, über 4000 davon allein in Deutschland. Weitere 3000 sollen konzernweit bis zum Jahresende eingespart werden. Fast alle Großbanken planen, noch einige Tausend Stellen abzubauen. Hinrich Feddersen, Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di befürchtet sogar, dass mit der neuen Struktur und den neuen Ertragszielen, die der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) im vergangenen September beschlossen hat, die regionalen Sparkassen zu reinen Vertriebsorganisationen verkümmern. "Dies würde mindestens 20 000 Arbeitsplätze gefährden", sagte Feddersen Mitte April diesen Jahres auf einer Informationsveranstaltung des DSGV. Bislang fiel der Stellenabbau bei den Sparkassen noch recht moderat aus. Zwischen 2001 und 2002 sank die Zahl der Mitarbeiter um 4000 - ein Minus von 1,4 Prozent.

Deutschland bleibt größter Arbeitsmarkt

Dennoch bleibt Deutschland mit weitem Abstand der größte Arbeitsmarkt im Bankgewerbe innerhalb Europas. Ohne Berücksichtigung der Postbank gibt es über 3000 selbstständige Kreditinstitute mit rund 45 000 Zweigstellen. Hierzulande arbeiteten 2001 rund 28 Prozent der Bankmitarbeiter der gesamten EU.

Auf dem freien Arbeitsmarkt suchen laut Arbeitgeberverband fast nur noch Institute mit Spezialgebieten und große Privatbankiers à la Sal. Oppenheim oder Hauck & Aufhäuser neue Mitarbeiter.

Banken dieser Kategorie benötigen vor allem Verstärkung im Bereich individueller Vermögensberatung oder besonders erfahrene Spezialisten der unterschiedlichsten Bereiche. Generell gilt, dass die Banken den Bereich Kundenberatung stärken, den Verwaltungswasserkopf jedoch verschlanken wollen. Schließlich steuert letzterer Bereich nicht zum Umsatz bei.

Die Sparkassen bestreiten über 90 Prozent der Wiederbesetzungen aus dem eigenen Nachwuchs. Personelle Erweiterungen gibt es vor allem im Marktbereich, das heißt an der Kundenfront, der anspruchsvollen Vermögensberatung sowie dem Kreditgeschäft. Nur für ausgewählte Positionen suchen die Sparkassen in diesen Bereichen auch ausgesuchte Spezialisten. Pro Jahr stellen die Sparkassen rund 7000 Nachwuchskräfte ein.

Ansprüche sind gestiegen

Die Ansprüche an Bewerber und Berufseinsteiger sind mit der Bankenkrise gestiegen. Nach Angaben der Karriereberater von Staufenbiel, einem Kölner Institut für Studien- und Berufsplanung, richtet sich inzwischen jedes zweite Stellenangebot innerhalb der Branche an Hochschulabsolventen. Auch der Deutsche Bankangestellten Verband (DBV) beklagt das Ende der Zeiten, in denen Bewerber Schlange stan-den, um einen Ausbildungsplatz zu ergattern.

Unter den männlichen Schulabgängern taucht der Berufswunsch Banker nicht mehr unter den Top Ten auf. "Zu uncool" lautet die Diagnose des DBV. Außerdem schreckt das oftmals verlangte Studium den Nachwuchs ab. Bei den jungen Frauen landet die Banker-Laufbahn immerhin auf Platz sechs der Berufswunschliste - eine Folge der verbesserten Karrierechancen für Frauen in diesem Gewerbe.

Für berufserfahrene Universalisten sieht die Zukunft nicht ganz so finster aus. Gefragt sind laut Staufenbiel Bewerber, die sowohl Erfahrungen in der Banken- wie auch der Versicherungsbranche vorweisen können oder zumindest bereit sind, von der einen zur anderen Seite zu wechseln. Eine Folge der Fusionen zu Allfinanz-Konzernen, wie etwa im Fall der Allianz und Dresdner Bank. Oliver Maassen, Leiter des Talent Centers bei der HVB Group, sieht das ähnlich: "Das Anforderungsprofil wird noch stärker als bisher vom Kunden entwickelt. Seine Bedürfnisse bestimmen unsere Aus- und Weiterbildung. Insbesondere die Serviceorientierung spielt eine immer wichtigere Rolle."

Organisationstalent und Einfühlungsvermögen

Deshalb stehen neben guter Ausbildung weiche Faktoren wie Organisationstalent und Einfühlungsvermögen bei den Personalabteilungen auf der Wunschliste. Die Banken haben erkannt, dass wenn es um Kredite und Vermögensanlage geht, erst der direkte und offene Blick in die Augen des Kunden dessen Portemonnaie öffnet.

Einige Universitäten und private Bildungseinrichtungen, wie etwa die Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt oder die Fachhochschule St. Gallen, folgen diesem Bedarf und bieten Aufbaustudiengänge zum "Financial Consultant" an. Die Absolventen sollen sowohl im Privatkundengeschäft der Banken und Versicherungen, als auch als selbstständige Vermögensverwalter bestehen können.

Neben den Allroundern mit persönlichen Stärken ist generell die Bildungselite gefragt - am liebsten Absolventen einer renommierten Hochschule im Ausland oder den Hochschulen der Bankenverbände. Nur dort, wo auf Grund normaler Personalfluktuation Posten zwingend zu besetzen sind, suchen Banken den Spezialisten.

Wer etwa die Jobangebote der Hypovereinsbank betrachtet, findet zwar über 40 offene Stellen mit Schwerpunkt im technischen Bereich, doch sind diese sämtlich bei Tochterunternehmen und-banken zu besetzen.

Für die HypoVereinsbank gilt das, was für viele Großbanken Gültigkeit hat: Vorerst kompletter Einstellungsstopp und fortgesetzter Stellenabbau.

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