Arbeitsmarkt hat sich im Februar überraschend stabilisiert
Die Industrie in der Euro-Zone erholt sich

In Euro-Land steht die Industrie vor einem neuen Boom, meinen Volkswirte. Die aktuellen Vertrauensindikatoren der EU-Kommission untermauern diesen Optimismus. Auch bei den Dienstleistern hat sich die Stimmung im März aufgehellt. Nach wie vor verhalten ist dagegen die Laune der Verbraucher.

ost DÜSSELDORF. Neue Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone untermauern den vorsichtigen Konjunktur-Optimismus vieler Volkswirte: Die Laune der Unternehmer hat sich im März zum vierten Mal in Folge verbessert. Das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaftslage und auch die Arbeitslosigkeit in Euro-Land haben sich stabilisiert. Positiv ist auch, dass die Erzeugerpreise im Februar zurück gingen.

Volkswirte brechen aber trotz der guten Zahlen nicht in Jubel aus: "Die Daten haben einen einigermaßen positiven Unterton, decken sich aber weitgehend mit den Erwartungen", sagt Edward Teather von UBS Warburg. "Die Stimmung steigt an - nicht allzu dynamisch, aber stetig", meint Gabriele Widmann von der DGZ Bank. -Deka

Vor allem mit der Industrie geht es bergauf, signalisiert der von der EU-Kommission erhobene Vertrauensindex des Sektors. Im März machte der Indikator um plus 3 Punkte einen deutlichen Satz nach vorne. Mit-11 Zählern liegt er nun auf dem gleichen Niveau wie unmittelbar vor dem 11. September. In Deutschland hellte sich die Industriellen-Laune noch stärker auf: Der Index notiert bei-19 nach-23 Punkten. Vor allem bessere Produktionserwartungen und volle Orderbücher zogen die Indizes nach oben. Die Lagerbestände der Unternehmen haben sich weiter verringert, Exportaufträge und Produktion stiegen.

Unter dem Strich belege das höhere Vertrauen der Industrie, dass "die Erholung in diesem Sektor auf dem Weg ist", sagt Robert Prior-Wandesforde, Ökonom bei HSBC. "Die Industrie erlebt in diesem Jahr einen Boom" - weil der Lagerabbau zu Ende gehe und sich der Welthandel wieder belebe, meint der Ökonom. Den gestiegenen Ölpreis sieht er nicht als Gefahr für einem baldigen Aufschwung: "Im ersten Quartal begann eine V-förmige Erholung, die länger anhalten wird."

Während in der Baubranche und im Einzelhandel die Stimmung stagnierte, hat sich die Laune der Dienstleister noch deutlicher aufgehellt als in der Industrie. In der Euro-Zone kletterte der entsprechende Vertrauensindex von 3 auf 8 Punkte, in Deutschland von-7 auf-2. In Euro-Land entfallen zwei Drittel der Wirtschaftsleistung auf die Dienstleistungsbranche, nur 32 % auf die Industrie. Prior-Wandesforde relativiert allerdings die Aussagekraft des Dienstleistungs-Indikators: "Den Index sollte man vorsichtig interpretieren, weil es ihn erst wenige Jahre gibt." Zudem sei das absolute Niveau noch niedrig - vor einem Jahr lag er über 20 Punkte.

Extrem unterschiedlich ist die Laune der Verbraucher in den einzelnen Staaten der Euro-Zone. In Deutschland, Frankreich und Belgien legten die nationalen Vertrauensindikatoren zu, in Spanien und Italien sackten sie ab. Insgesamt stagnierte die Stimmung der Verbraucher in der Euro-Zone. Immerhin beurteilen mehr Bürger als im Februar ihre derzeitige Situation besser als vor einem Jahr.

Durchwachsen beurteilen die Konsumtenten die Lage am Arbeitsmarktes: Einerseits glaubt die Mehrheit der Verbraucher, dass die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Andererseits nimmt seit November die Zahl der Optimisten zu, während die der Pessimisten sinkt.

Im Februar war der europäische Arbeitsmarkt sogar für eine kleine positive Überraschung gut: In der Euro-Zone stagnierte die Quote bei 8,4 %, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mit. Volkswirte hatten dagegen mit einem leichten Anstieg auf 8,5 % gerechnet. Auch in der gesamten Union blieb die Quote konstant bei 7,7 %. Die besten Zahlen weisen die Niederlande auf (2,3 %), am schlechtesten steht erneut Spanien da (12,9 %). Deutschland liegt mit konstanten 8,1 % im Mittelfeld. Zum Vergleich: In den USA betrug die Quote im Februar 5,6 %.

Die Erzeugerpreise lagen im Februar in der Euro-Zone um 0,1 % niedriger als im Januar, im Jahresvergleich betrug das Minus 1,1 % - damit ist der Rückgang etwas stärker, als von Volkswirte erwartet. "Im März werden die höheren Ölpreise die Erzeugerpreise nach oben ziehen", ist Elga Bartsch von Morgan Stanley sicher. Im Jahresvergleich aber werde die Deflation bei den Erzeugerpreisen auch im März anhalten.

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