"Arbeitsmarkt ruft nach Hochschulabsolventen"
Junge Menschen wollen wieder studieren

Knapp jeder dritte junge Mensch des entsprechenden Altersjahrganges hat im vergangenem Jahr ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule aufgenommen.

dpa BERLIN. Damit zeigen das Werben von Politik und Wirtschaft um mehr Studenten und die Reform des Bafögs offensichtlich Erfolg: Die Studienanfängerquote pro Altersjahrgang stieg jetzt erstmals auf 32,4 Prozent, ergab eine Sonderauswertung des Bundes-Bildungsministeriums. 1998 hatte diese Quote noch bei 27,7 Prozent gelegen.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) wertete dies als "klaren Erfolg" der Bafög-Verbesserungen und der Studienreform. "Wir müssen auf diesem Weg weitergehen, weil es in Zukunft immer weniger Jobs für schlecht qualifizierte Menschen gibt, der Arbeitsmarkt zugleich aber nach immer mehr Hochschulabsolventen ruft", sagte Bulmahn am Mittwoch.

Die Ministerin verwies darauf, dass trotz der Fortschritte die Bildungsbeteilung in Deutschland immer noch weit hinter der anderer Industriestaaten liegt, wo im Schnitt 40 Prozent eines Jahrganges studieren. In den USA, Großbritannien, Japan und den Niederlanden ist diese Quote nach der jüngsten OECD-Übersicht noch deutlich höher. In Finnland und Schweden werden Spitzenwerte von über 60 Prozent erreicht.

In der Bundesrepublik gibt es im Vergleich mit anderen Industriestaaten erheblich weniger Abiturienten und Berechtigte für das Studium an einer Fachhochschule (FH). Gleichzeitig verzichtete Mitte der 90er Jahre fast jeder vierte Abiturient und junge Mensch mit FH-Reife auf sein Studium.

Studium war selbstverständlich

In den 70er Jahren war dagegen für Abiturienten das Studium noch nahezu selbstverständlich. Über 90 Prozent gingen nach dem Gymnasium zur Universität. Nach den Worten von Bulmahn belegen die Zahlen, wie dringend notwendig die Bafög- Reform gewesen sei. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes (DSW) ist im vergangenem Jahr die Zahl der Bafög-Anträge sprunghaft gestiegen, in den alten Ländern um 20 Prozent, in den neuen Ländern sogar um 27 Prozent.

Bulmahn: "Auch junge Menschen aus einfachen Verhältnissen können ein Studium meistern, wenn sie ausreichend Unterstützung finden." Neben der Bafög-Förderung habe der Bund zugleich seine Stipendien für Hochbegabte wie für deutsche Studierende im Ausland deutlich ausgeweitet. Insgesamt stieg die Zahl der geförderten Studierenden von 244 696 (1998) auf 291 245 (2002). Dies entspricht einem Zuwachs von 19 Prozent. Auch die Zahl der vom Bund geförderten Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler wurde im gleichen Zeitraum um 25 Prozent erhöht - und zwar von 35 042 auf derzeit 43993.

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