Arbeitsniederlegung für Donnerstag geplant
Streik bei Lufthansa wird wahrscheinlicher

Bei den Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa AG und der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) war bis Dienstagabend nach Angaben aus Kreisen keine Einigung in Sicht. Ein Streik am Donnerstag werde deshalb immer wahrscheinlicher, hieß es aus der Verhandlungsdelegation der Gewerkschaft in Wiesbaden.

WIESBADEN. VC-Sprecher Georg Fongern bestätigte auf Anfrage, dass die Verhandlungen offensichtlich schwierig verliefen. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass wir am Donnerstag von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr streiken", sagte Fongern am Abend. Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich zum Stand der Gespräche nicht äußern. Die Verhandlungen dauerten auch am späten Dienstagabend an.

VC fordert für die rund 4200 von ihr vertretenen Piloten nach bisherigen Angaben Gehaltsanhebungen von etwa 35 Prozent, während die Lufthansa bislang knapp 17 Prozent geboten hat.

Cockpit hatte bereits in der vergangenen Woche mit einem ganztägigen Streik am Donnerstag gedroht, wenn es bis dahin nicht zu einem Ergebnis kommt. Fongern sagte auf Reuters-Anfrage am Dienstagabend: "Bisher habe ich noch kein Signal, dass es nicht zu einem Streik kommen wird." Er nehme aber nicht selbst an den Verhandlungen teil und könne sich deshalb nicht zum Stand äußern. Weiter hieß es, der Vorstand der VC tage am Mittwoch. Dabei handele es sich allerdings um eine turnusmäßige Sitzung.

Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt sagte Reuters zur Möglichkeit eines Scheiterns der Gespräche, solange die Verhandlungen liefen, sei dies reine Spekulation. Cockpit hatte zunächst für den frühen Dienstagabend eine Mitteilung über den Stand der Verhandlungen angekündigt, die dann jedoch ausblieb. Ein Cockpit-Sprecher hatte gesagt, die Gespräche zögen sich wider Erwarten noch länger hin, einen Kommentar zum Verlauf der Verhandlungen aber abgelehnt.

Drei Tage nach dem ersten Pilotenstreik hatte das Unternehmen am Montag ein neues Angebot unterbreitet, über dessen Inhalt nichts bekannt wurde. Vor Beginn der Verhandlungen hatten beide Seiten Hoffnungen auf eine schnelle Einigung gedämpft.

Die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der Tarifgespräche war nach Angaben von Händlern Ursache für Kursverluste der Lufthansa-Aktie. "Die Gespräche ziehen sich länger hin als erwartet", sagte ein Händler. Die Aktie notierte zum Schluss in Frankfurt 1,6 Prozent schwächer bei 22,14 Euro. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Informationen über den Verhandlungsverlauf bekannt geworden. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor dagegen nur 0,23 Prozent.

Cockpit verlangt für die von ihr vertretenen 4200 Lufthansa-Piloten Gehaltsanhebungen von durchschnittlich 35 Prozent zuzüglich einer Ergebnisbeteiligung. Die Lufthansa hat diese Forderung bisher als utopisch abgelehnt. Bis zur Verhandlungsrunde am Montag, die nach dem zwölfstündigen Pilotenstreik vom vergangenen Freitag um zwei Tage vorgezogen worden war, hatte die Lufthansa eine Erhöhung der Piloten-Bezüge von bis zu 17 Prozent angeboten. Durch den ersten Piloten-Streik in der Unternehmensgeschichte waren mehr als 300 Flüge ausgefallen, über 30.000 Passagiere waren betroffen. Finanzexperten hatten die Kosten des Streiks für die Lufthansa auf etwa 20 Millionen Mark beziffert.

Die Gewerkschaft begründet ihre hohen Forderungen damit, dass die Gehälter der Lufthansa-Piloten im Durchschnitt 30 Prozent niedriger seien als die ihrer Kollegen vergleichbarer Fluggesellschaften. Zudem gelte es, Gehaltseinbußen aufzuholen, denen die Piloten vor rund zehn Jahren zur Sanierung der damals angeschlagenen Fluglinie zugestimmt hätten.

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