Arbeitspartei sichert Barak Unterstützung zu
Jerusalemer Freitagsgebet verläuft friedlich

afp JERUSALEM. Mehr als 100.000 Gläubige haben in der Jerusalemer Altstadt das erste Freitagsgebet des Ramadan friedlich begangen. Nachdem es seit Beginn der Intifada dort fast wöchentlich zu Zusammenstößen gekommen war, waren die Sicherheitsmaßnahmen israelischen Polizeiangaben zufolge im Vorfeld drastisch erhöht worden. Zu dem Gebet waren erstmals wieder Moslems aller Altersgruppen zugelassen. Das Zentralkomitee der Arbeitspartei sicherte unterdessen Regierungschef Ehud Barak im Hinblick auf vorgezogene Neuwahlen seine Unterstützung zu. Alle Parteimitglieder wurden aufgefordert, "angesichts der militärischen und diplomatischen Kämpfe die Reihen hinter dem Ministerpräsidenten zu schließen". Bei Unruhen in den Autonomiegebieten erschossen israelische Soldaten zwei Palästinenser.

Schon am Morgen hatten 3000 Polizisten die Jerusalemer Altstadt kontrolliert, auch palästinensische Sicherheitskräfte in Zivil sollten israelischen Radioberichten zufolge Zusammenstöße verhindern. Die israelische Regierung hatte für Palästinenser aus Ost-Jerusalem und arabische Israeli die Altersbeschränkung aufgehoben, die Ende September festgelegt worden war. Auch der seit 8. November geschlossene palästinensische Flughafen im Gazastreifen konnte seinen Flugbetrieb, wenn auch eingeschränkt, wieder aufnehmen.

Weitere Unruhen

Gläubigen aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen blieb der Zugang zur El-Aksa-Moschee allerdings weiter verwehrt, da die Gebiete vom israelischen Militär abgeriegelt sind. Vor einem Jahr hatten mehrere hunderttausend Moslems auch aus den Palästinensergebieten am ersten Freitag des Ramadan am traditionellen Gebet teilgenommen. Die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat hatte vor einigen Tagen zur Fortsetzung der Intifada aufgerufen, auch die radikal-islamische Hamas-Bewegung forderte einen "Heiligen Krieg".

Bei Rafah im Gazastreifen starb nach Krankenhausangaben ein Zwölfjähriger bei Unruhen, bei Hebron im Westjordanland ein weiterer Palästinenser. Bei El Bireh verletzten Soldaten nach Angaben eines AFP-Korrespondenten 17 Jugendliche, die mit Steinen warfen. In einem Interview mit der Zeitung "Jediot Aharonot" gab Barak erneut der palästinensischen Autonomiebehörde die Schuld an den Unruhen. Sollte es nicht gelingen, mit Arafat Frieden zu schließen, "werden wir eines Tages den Frieden mit den palästinensischen Kindern machen, die heute Steine werfen", sagte der Regierungschef.

Umfrage: Barak hat wenig Akzeptanz

Die Resolution zur Unterstützung Baraks war erst nach einer lebhaften Debatte verabschiedet worden. Sie schließt Gegenkandidaten für die Parteiführung nicht aus, bezeichnet Barak jedoch als "Nummer eins". Mehrere führende Mitglieder, allen voran Schimon Peres, hatten die Versammlung boykottiert. Am Dienstagabend hatte die Knesset mit absoluter Mehrheit für die Selbstauflösung und vorgezogene Neuwahlen gestimmt. Barak ist bislang einziger Kandidat seiner Partei für das Amt des Ministerpräsidenten.

Nach einer von der Zeitung "Maariv" veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup würden nur noch 29 Prozent der Israeli sich für Barak entscheiden, 46 Prozent für den ehemaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vom rechtsgerichteten Likud-Block. Mit Likud-Chef Ariel Scharon (37 Prozent) liegt Barak (35 Prozent) inzwischen Kopf an Kopf. Bisher kündigte lediglich Scharon seine Kandidatur für das Amt an.

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