Arbeitssklaven befreit
Medienwirksame Rettung aus der Ziegel-Hölle

Arbeiter, die geschunden aus Steinbrüchen gerettet werden, abgemagerte Kinder, gebrochene Menschen, die als Sklaven in Ziegeleien gehalten wurden - Chinas Regierung setzte viel daran, diesen Erfolg gegen unmenschliche Ausbeutung in Szene zu setzen. Doch gerade die Partei hat dabei oft selbst ihre Finger im Spiel.

PEKING. Für Zhou Yong begann die Hölle vor sieben Jahren. Damals war der Chinese gerade 17 Jahre alt und nach einem Streit mit seinen Eltern von zu Hause abgehauen. Gemeinsam mit einem Freund machte sich der Jugendliche aus der Provinz Hubei in die ferne Hauptstadt Peking auf. "Dort schliefen wir im Bahnhof, denn wir hatten ja kein Geld", erinnert sich der junge Mann mit Brille heute.

Bald sei ein Mann gekommen, der Arbeit, Unterkunft und Verpflegung versprach. "Ich dachte, ich habe ja nichts zu verlieren, also ging ich mit ihm." Doch Zhou Yong wurde eingesperrt, geschlagen und als Arbeitssklave an eine Steinfabrik in Dingzhou verkauft.

Es ist eine Geschichte von vielen, die momentan ganz China erschüttern. Mehr als 500 Menschen, viele davon Kinder, wurden am vergangenen Wochenende aus Ziegeleien und Bergwerken befreit. In den Provinzen Shanxi und Henan mussten sie wie Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften, oft bis zu 16 Stunden am Tag. Es sind Bilder wie aus schlimmsten Kriegslagern: Arbeiter, abgemagert, verdreckt, oft mit offenen Wunden, fallen einfach auf die Knie und schütteln sich im Weinkrampf.

Pekings kommunistische Regierung verkauft die Großoffensive gegen die Menschenhändler, bei der 35 000 Polizisten im Einsatz waren, seit Tagen als mediale Machtdemonstration. Präsident Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao selbst hätten "wichtige Anweisungen" gegeben, heißt es orakelhaft.

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