Archiv

_

Arbeitswelt der Zukunft: Das Ende des Schreibtischs

Sterile Büros sind von gestern. Der moderne Mensch nutzt iPad und Smartphone zum Arbeiten, wo immer er gerade ist. Für diese kreativen Arbeitnehmer gibt es nun extra entworfene Bürogebäude. Coworking-Spaces nennen sich diese einfachen, flexiblen und günstigen Büroersatzräume. Erst Cloud Cpmputing macht dabei möglich, wovon viele seit langem träumen.

Technischer Fortschritt macht den Schreibtisch in manchen Fällen überflüssig. Quelle: dpa
Technischer Fortschritt macht den Schreibtisch in manchen Fällen überflüssig. Quelle: dpa

MÜNCHEN/FRANKFURT. Auf den ersten Blick sieht das Gebäude unscheinbar aus, ein typisches Haus im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Doch wer es betritt, kann ihn spüren und sehen: den Arbeitsplatz der Zukunft.

Anzeige

Das Betahaus in Berlin - so der offizielle Name - hat ihn aufgebaut. Eine Mischung aus Kaffeehaus und Großraumbüro mit angeschlossenen Konferenzräumen. Seit April 2009 können hier Freiberufler, Kreative und Journalisten für überschaubares Geld eine komplette Infrastruktur nutzen. "Coworking-Spaces" haben Angelsachsen das Konzept getauft.

Wenn es um die Frage geht, wie wir in Zukunft arbeiten werden, fallen zwei Schlüsselbegriffe: Flexibilität und Mobilität. Im Betahaus sind sie vereint. Weder feste Arbeitsplätze noch feste Arbeitszeiten prägen das Leben. Was zählt, ist das Ergebnis.

Moderne Infrastruktur ist für diese Vision unerlässlich. Selbst der Laptop, obwohl mobil, wirkt altbacken. Kleine Alleskönner - iPad-Derivate oder weiterentwickelte Smartphones - sind die Arbeitsgeräte der Zukunft. Möglich wird das, weil viele Anwendungen und Daten nicht mehr auf den Geräten, sondern im Netzwerk sind, in der vielzitierten Wolke. Erst diese "Cloud" macht möglich, wovon viele seit langem träumen: Jeder kommt überall an seine Daten.

Hört sich an wie Zukunftsmusik, könnte aber schnell Realität werden. Denn der Nachwuchs in Schulen und an Hochschulen hat diese Form der Arbeit längst adaptiert. "Die jungen Menschen erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass dieser die gleiche Arbeitsumgebung bereitstellt, wie sie es von zu Hause gewohnt sind", sagt Thomas Hansen von Accenture.

Erbhöfe gibt es nicht mehr

Manche Firmen haben das klassische Büro schon ganz ausgemustert. In der Europa-Zentrale des Internet-Giganten Google in Zürich etwa können die Mitarbeiter zum Beispiel am Pult, in der Bibliothek oder in einem großzügigen Palmenraum namens "Jungle" arbeiten.

Technisch ist derartige Flexibilität kein Problem mehr. Die jüngste Einrichtungsmesse Orgatec präsentierte Büromöbel mit fest eingebauten Monitoren, an die das iPad oder das Smartphone angeschlossen werden können. Unsichtbare Mikrofone und Kameras ermöglichen Telefon- und Videokonferenzen an jeder Stelle, vor allem aber spontan und ohne aufwendige Technik. Die Glasplatte im Konferenztisch ist ein Touchscreen, der jede Änderung eines Projekts sofort anzeigt.

Nicht nur in jungen Branchen wie der IT-Industrie faszinieren solche Ideen, auch etablierte Industrien und Dienstleister arbeiten am Arbeitsplatz der Zukunft. Beim Logistik-Spezialisten Hellmann in Osnabrück können Mitarbeiter ihre Aufgaben im Kaminzimmer, in der Bibliothek oder an der Sektbar erledigen.

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist komplett offen, Erbhöfe gehören der Vergangenheit an. Die Mitarbeiter tauschen sich über interne und soziale Netzwerke aus, Projekte werden von weltweit verteilten Teams über moderne Software-Werkzeuge und das Internet erledigt. Und: Klassische Unternehmensgrenzen weichen auf. Mitarbeiter werden stärker mit Externen und Freiberuflern zusammenarbeiten - besonders, wenn neue Ideen entwickelt werden sollen. "Open Innovation" nennen das die Fachleute. Auch hier treiben neue technische Möglichkeiten die Entwicklung. "Es wird künftig ganz anders kommuniziert. Die Werkzeuge des Web 2.0, die eine Zusammenarbeit ermöglichen, werden viel selbstverständlicher genutzt", sagt Michael Kiehle, bei IBM Deutschland für "Smarter Work", also den modernen Arbeitsplatz, zuständig.

Anzeige

Die Entwicklung könnte manchen aber auch überfordern. "Man kann auch zu viel machen und seine Kommunikationskultur beschädigen", warnt Berater Hansen.

Zurück
Weiter
  • 05.01.2011, 11:09 Uhrknopfauge

    ich lache mich schlapp, was der Fatzke von Accenture labert. Typisch berater...labern und quasseln, setzen es selber garnicht ein und haben null Dunst wie es funktioniert. Dafür habe ich schon zu viele erlebt.

    Wenn ich das von meinem Arbeitgeber erwarten würde, dass er die gleiche Arbeitsumgebung bereitsstellt wie ich zu Hause habe...Nun dann könnte ich zwar erheblich effizienter und stressfreier (da mit mehr Spass) arbeiten, allerdings müsste alles umgestellt werden (auch die Datenlieferung von extern) und mein Arbeitgeber wäre defacto pleite.

  • 03.01.2011, 14:13 UhrJoachim

    bei aller Modernität der "Kreativen" sollte nicht vergessen werden, dass auch in der Zukunft das eine oder andere Stück Papier, das Muster, die Warenprobe, der Prospekt, etc. benötigt wird. Von der vollvirtuellen Welt sind wir noch ein gutes Stück weit entfernt. Sicher könnte das irgendwann die allgemeine Realität werden, aber man ist auch mal davon ausgegangen, dass mit dem Einsatz von EDV alles Papier überflüssig würde. Die meisten Menschen bevorzugen ein relativ stabiles Umfeld, in dem sie sich einrichten können und in dem sie mit ihren ihnen bekannten Nachbarn kommunizieren können, ohne dazu ein elektronisches Gerät nutzen zu müssen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit wie immer irgendwo in der Mitte.

  • 03.01.2011, 13:23 UhrDaniel

    @Jürgen breiter: Alles richtig, aber hätte ihr Seminar weniger Substanz, wenn Sie statt von "Coworking" von "Zusammenarbeit" und statt von "Coworking-Spaces" schlicht von Arbeitsplatz reden würden ? Pseudo-Englische begriffe, die man höchstens im Wörterbuch "business English For Runaways" finden würde neigen dazu, eher lächerlich zu wirken.

NRW-Wahl-Blog Warum ich kein Spitzenpolitiker sein will

Ein Tag als Journalist auf Pressetour mit Norbert Röttgen reicht, um zu wissen: Politik-Redakteur Bernd Kupilias möchte kein Spitzenpolitiker sein. Über den Straßenwahlkampf als Ufo-Erlebnis und eine Amöbe in Langenfeld. Mehr…