Arbeitszeit weiter wichtigster Streitpunkt
Kein Durchbruch bei VW-Tarifverhandlungen in Sicht

Bei den Tarifverhandlungen über die Schaffung von 5 000 neuen Arbeitsplätzen bei Volkswagen hat sich am Montag bis zum Nachmittag trotz neuer Vorschläge keine Einigung abgezeichnet. VW hatte zu Beginn der als entscheidend angesehenen sechsten Runde in Hannover nochmals ein verändertes Angebot angekündigt. Aus Kreisen der Verhandlungsteilnehmer verlautete in einer Pause, es sei noch kein Durchbruch in Sicht.

Reuters HANNOVER. Streitpunkt bei dem neuen Tarifmodell seien weiterhin die Arbeitszeit und die damit verbundenen Personalkosten für das Projekt. VW wollte bisher eine Arbeitszeit von bis zu 42,5 Wochenstunden, die IG Metall will dagegen die 35-Stunden-Woche nicht überschreiten.

IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte in einer Pause, die Gespräche könnten sich bis in die Nacht hinziehen. Beide Seiten hatten am Morgen von schwierigen Verhandlungen gesprochen und ein Scheitern nicht ausgeschlossen. In jedem Fall sollte eine Entscheidung in dieser sechsten Runde fallen, hatte Meine erklärt. IG Metall-Chef Klaus Zwickel hatte bereits am Wochenende erklärte, die Gespräch ständen vor dem Aus, weil VW die Gewerkschaft überfordere.

VW-Verhandlungsführer Josef Senn sagte zu Beginn, VW könne auch in dem neuen Angebot keine finanziellen Zugeständnisse machen. Ansonsten rechne sich das Projekt nicht. Mit dem "5 000 mal 5 000" genannten Tarifmodell will VW zur Produktion von zwei neuen Modellen in den deutschen Werken Wolfsburg und Hannover 5 000 Arbeitslose für einen einheitlichen Bruttolohn von 5 000 Mark monatlich ohne weitere Zuschläge einstellen.

Vorgesehen ist in einer eigenständigen GmbH ein neues flexibleres Produktions- und Vertriebsmodell mit längeren Arbeitszeiten und insgesamt niedrigeren Kosten als bisher in deutschen VW-Werken üblich. Ziel von VW ist dabei, dass die Gesamtkosten der Produktion mit einer Fertigung an einem ausländischen Standort wie Portugal vergleichbar sind.

Meine erklärte am Montag, die Arbeitszeit dürfe nicht über 35 Stunden und die Bezahlung nicht unter dem Flächentarifvertrag für die Metallbranche im Westen liegen, zumal bei VW ansonsten ohnehin die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Stunden gelte.

"Wir hoffen weiterhin auf eine Einigung", sagte ein VW-Sprecher am Rande der Verhandlungen. Die Konsequenzen eines Scheiterns seien noch offen, hatte zuvor VW-Verhandlungsführer Senn erklärt. Der mit dem neuen Tarifmodell verbundene Minivan würde möglicherweise trotzdem in Wolfsburg gebaut, allerdings ohne weitere Neueinstellungen. Gleichzeitig könnten aber nach Angaben aus Unternehmenskreisen andere Fertigungen ins Ausland verlagert werden.

Für die IG Metall war am Montag auch deren Tarifexperte und stellvertretender Bundesvorsitzender Jürgen Peters nach Hannover gekommen. Er gehörte zwar nicht der Verhandlungskommission an, nahm aber an den internen Beratungen der Gewerkschaft teil. In der IG Metall ist das neue Tarifmodell von VW nicht unumstrittenen. Betriebsräte anderer Automobilhersteller befürchten, dass ein Abweichen von bisher gültigen Tarifverträgen beim größten europäischen Automobilbauer auch für andere Unternehmen Signalwirkung haben könnte.

Nach VW-Angaben liegen inzwischen für die zunächst 3 500 neuen Stellen in Wolfsburg bereits mehr als 10 000 Bewerbungen vor. Die ersten Einstellungen sind schon für diesen Herbst geplant.

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