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Archäologen: Im Irak wird Menschheitserbe verwüstetDPA-Datum: 2004-07-14 13:38:46

Berlin/Hamburg (dpa) - Im Irak findet nach Einschätzung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI, Berlin) derzeit eine der größten Kulturzerstörungen der Geschichte statt. Führende deutsche Archäologen schlagen laut einem Bericht der Wochenzeitung «Die Zeit» Alarm.

Berlin/Hamburg (dpa) - Im Irak findet nach Einschätzung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI, Berlin) derzeit eine der größten Kulturzerstörungen der Geschichte statt. Führende deutsche Archäologen schlagen laut einem Bericht der Wochenzeitung «Die Zeit» Alarm.

Tausende Raubgräber nutzten die Anarchie der Nachkriegszeit und machten sich über die Überreste einstiger Großstädte aus der Zeit der Sumerer und Babylonier her. «Rund 130 solcher Städte werden im Moment durchwühlt», sagte Margarete van Ess, wissenschaftliche Direktorin des DAI, der «Zeit».

Walter Sommerfeld, Professor für Altorientalistik an der Universität Marburg, war vor Ort und bezeichnet die Situation im Südirak als «Kulturzerstörung von der Kategorie des Mongolensturms». «Aus Isin ist eine richtige Mondlandschaft geworden», sagte er der Zeitung. Unter den Augen der Besatzungsmächte gehe die Ausplünderung des altorientalischen Weltkulturerbes weiter.

Der Schwarzhandel mit antiken Skulpturen und Keilschriften ist laut Sommerfeld nicht nur zur Lebensader der regionalen Stämme geworden - die Einnahmen würden auch umgehend in die Bewaffnung der Räuber umgesetzt. John Russell, Archäologie am Massachusetts College of Art in Boston, war neun Monate im Irak als Kulturberater der provisorischen Koalitionsregierung unterwegs. Er spricht von «einem der größten Verluste menschlicher Identität in der Geschichte.»

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