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Archäologen und Laien auf den Spuren Jesu

Mainz (dpa) - Für Editha Lafebre ist die Archäologie eine Erfüllung ihres Jugendtraums. «Als Mädchen habe ich das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" gelesen und wollte seitdem Archäologin werden. Aber mein Vater sagte, ich soll was Gescheites studieren.»

Mainz (dpa) - Für Editha Lafebre ist die Archäologie eine Erfüllung ihres Jugendtraums. «Als Mädchen habe ich das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" gelesen und wollte seitdem Archäologin werden. Aber mein Vater sagte, ich soll was Gescheites studieren.»

Nach ihrer Pensionierung hat sie ihren Traum wahr werden lassen und sich als Gasthörerin beim Seminar für Biblische Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz eingeschrieben. Aber die engagierte Hobby-Forscherin belässt es nicht bei Vorlesungen und Diavorträgen - im August fährt sie gemeinsam mit rund 70 Wissenschaftlern und Laien zu Grabungen nach Israel.

«Jeder, der sich für Archäologie interessiert, kann bei uns mitmachen», sagt Professor Wolfgang Zwickel. Gegen einen Kostenbeitrag von rund 1000 Euro für Unterbringung und Verpflegung werden auch Laien ins Forscherteam aufgenommen und erleben die Ausgrabungen in der Gegend von Kinneret am See Genezareth hautnah mit. «Die Helfer bekommen eine ausführliche Unterweisung, auf was sie achten müssen.» Der Archäologe und Theologe hatte bereits bei früheren Projekten Laien mit dabei. Er habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, etwa, dass ein Hobby-Gräber wichtige Fundstücke aus Unwissen kaputt macht oder einfach einsteckt.

Insgesamt ist das Projekt am See Genezareth auf zwölf Jahre angelegt. Damit und mit anderen Projekten sei Mainz die führende Universität in Deutschland für Grabungen in Israel. Finanziell gesichert seien jedoch erst die Arbeiten in diesem Jahr. Für die Fortsetzung 2005 sei man noch auf der Suche nach Spenden und Stiftern, sagt Zwickel.

Editha Lafebre war bereits 2003 bei Grabungen in Kinneret mit dabei. «Das ist eine Sau-Plackerei, dreckig, staubig und heiß», sagt die ehemalige Wirtschaftswissenschaftlerin, die in diesem Jahr 70 Jahre alt wird. «Aber wir haben sehr schöne Sachen gefunden, etwa zwei völlig intakte phönizische Vasen.» Aus der gemischten Gruppe aus Hobby-Gräbern und Forschern habe sich eine gute Gemeinschaft entwickelt. «In der Jugendherberge, in der wir untergebracht waren, wohnte ich beispielsweise mit drei Finninnen und einer Schweizerin auf einem Zimmer», erzählt Lafebre. Die unsichere Lage im Nahen Osten könne sie nicht von der Reise abhalten, betont Lafebre.

«Der See Genezareth ist kulturgeschichtlich sehr bedeutsam», erklärt Zwickel. Viele Fragen von Besiedlung und Handelsbeziehungen seien nach wie vor ungeklärt. «Etwa, wie der Hauptort mit den übrigen Dörfern verbunden war.» Um 1200 vor Christus habe ein plötzlicher Niedergang der Städte in der Region eingesetzt, der Handel brach zusammen. «Wir suchen nach Antworten auf die Frage, was damals politisch passiert ist.» Denn Kinneret spielt schließlich auch in der Bibel eine große Rolle, der Ort lag zwischen Magdala und Kapernaum, der Heimat Jesu.

Die neuen Grabungen könnten auch dazu führen, das Rätsel um den historischen König David zu lösen, so die Hoffnung der Archäologen. «Wir graben jedoch nicht, um die Bibel zu beweisen», betont Zwickel. «Darum kann es nicht gehen.» Für ihn ist die Archäologie eine Zugangsweise zur Geschichte. «Man sitzt in einem Loch, wird erhellt und findet dort die ganze Welt.»

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