Architektur erinnert ein wenig an das New York der 30er Jahre
Der Potsdamer Platz wird fertig

Höher, teurer, exklusiver: Im Herzen Berlins baut Otto Beisheim, Gründer der Handelsgruppe Metro, ein kleines Stadtviertel. Direkt am Tiergarten entsteht dabei ein 460 Millionen Euro teures Quartier aus Wohnungen, Büros und Hotels, das in seinem Luxus in Deutschland selten sein dürfte. Es ist das letzte große Projekt am Potsdamer Platz: Mehr als 13 Jahre nach dem Mauerfall nähert sich ein Kapitel deutscher Architekturgeschichte seinem Ende. Am Dienstag feiert das Beisheim-Center sein Richtfest.

HB/dpa BERLIN. Neben der futuristischen Glaskuppel des Sony Centers von Architekt Helmut Jahn gibt sich der Komplex mit seinen Steinfassaden elegant- gediegen. Im Entwurf sieht er mit seinen Anleihen an die amerikanische Hochhausarchitektur der 30er Jahre ein bisschen nach New York und Central Park aus. Gleichwohl hört es Erwin Conradi, Geschäftsführer der Beisheim Holding GmbH, nicht gern, wenn man von einem "Rockefeller Center" spricht. "Wir sind nicht größenwahnsinnig", sagt er. Und: "Ich bin überzeugt, das es eine sehr schöne Stadtarchitektur wird."

Aus dem Ensemble ragt ein Hochhaus empor, in dem das feine Ritz Carlton - und die "Tower Apartments" untergebracht sein werden. Zu dem Ensemble gehören auch zwei Bürokomplexe und das Berliner Marriott Hotel; der renommierte Londoner Architekt David Chipperfield entwarf die "Parkside Apartments".

Wenn das Beisheim-Center steht, wird nur wenig an die Mauer und die Ödnis des einstigen Grenzgeländes erinnern. Der Potsdamer Platz, der in den 90er Jahren Spielwiese von Architekten aus aller Welt war, hat sich längt als feste Größe in der Hauptstadt etabliert. Das Beisheim-Center wird auf dem so genannten Lenné-Dreieck gebaut, einem Zipfel Brachfläche, der 1988 durch einen Gebietstausch zum West- Bezirk Tiergarten kam.

Wie die Apartmenthäuser einmal aussehen könnten, zeigt das Stück Fassade, das - wie in Berlin üblich - auf der Baustelle zu sehen ist. 2 000 Menschen arbeiten auf dem Gelände, auf dem es einmal exklusiv zugehen wird: Der Blick schweift über Reichstag und Kanzleramt, der Service des Ritz-Carlton-Hotels bringt auf Wunsch das Frühstück vorbei. Eine Käuferin, die anonym bleiben wollte, sicherte sich für fünf Millionen Euro 670 Quadratmeter, die "teuerste Wohnung Berlins", wie die "Berliner Morgenpost" schrieb.

Michael Fraffek, der sich bei Aengevelt Immobilien um den Verkauf der Wohnungen kümmert, ist von der Resonanz "positiv überrascht". "Wir wissen allerdings, dass wir uns in einer schwierigen Situation bewegen." In Berlin ist das Geld knapp - und es denken derzeit wohl nicht viele Menschen an den Kauf einer 850 000 Euro teuren Wohnung. Die Investoren sind aber optimistisch. Conradi meint: "Irgendwann wird die deutsche Wirtschaft wieder anspringen." Wenn Otto Beisheim am 3. Januar 2004 seinen 80. Geburtstag feiert, soll das Viertel jedenfalls bereits fertig sein.

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