ARD-Intendanten diskutieren Äußerungen
Ulrich Wickert zeigt sich "lernfähig"

ARD-Moderator Ulrich Wickert (58) will Konsequenzen aus dem Wirbel um seine Äußerungen zu US-Präsident George W. Bush ziehen.

dpa HAMBURG. "Ich bin lernfähig", sagte Wickert der "Bild am Sonntag". "Ich werde zum Beispiel keine Kolumnen mehr schreiben." An diesem Montag wollen sich die Intendanten der ARD in einer regulären Schaltkonferenz mit dem "Tagesthemen"-Moderator befassen.

Das Thema werde nach dem Wirbel um den "Tagesthemen"-Moderator der vergangenen Tagen auf der Routine-Konferenz besprochen, hieß es am Samstag in ARD-Kreisen. Damit wurde ein Bericht der "Bild"-Zeitung bestätigt. MDR-Intendant Udo Reiter hatte sich demnach in einem Brief an seine Kollegen die Auffassung vertreten, die "unglückseligen Äußerungen" des Moderators stellten "die Tagesthemen-Tauglichkeit von Herrn Wickert massiv in Frage". Die für Montag in Berlin geplante Präsentation des Wickert-Buchs "Zeit zu handeln" sei abgesagt worden.

Wickert rechtfertigte die Stellungnahme in eigener Sache in den "Tagesthemen", nachdem er in einem Zeitschriftenartikel Bush und dem Moslem-Extremisten Osama bin Laden "gleiche Denkstrukturen" bescheinigt hatte und dafür heftig kritisiert worden war: "Ich bin öffentlich angegriffen worden, und der Angriff zielte auf meine Tätigkeit bei den `Tagesthemen´. Deshalb wollten wir nicht ausweichen, sondern uns stellen", sagte er.

Denkfehler eingestanden

"Wir fordern das immer von Politikern, also müssen auch wir das aushalten." Das sei zwar eine "schmerzliche Übung", aber man müsse es ertragen. Mit der Chefredaktion von ARD-aktuell und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) sei die Stellungnahme abgesprochen gewesen. "Die `Tagesthemen´", betonte der Moderator, "stehen bei mir immer an erster Stelle."

Äußerungen des Südwestrundfunk-Intendanten Peter Voß, nach denen Wickert Denkstrukturen "begrenzt belastbar" seien, kommentierte der Moderator mit den Worten: "Wenn er damit sagen will: Wickert hat einen Denkfehler gemacht, hat er damit Recht." Auch wenn jeder Fehler mache, sagte Wickert, so gelte grundsätzlich, "dass eine wohlbegründete kritische Auseinandersetzung auch in diesen Tagen nicht fehlen darf".

Kritik an Wickert kam von US-amerikanischen Interviewpartnern der "Bild am Sonntag". Frederick Kempe, Chefredakteur des "Wall Street Journal Europe", sagte: "Ein deutscher Meinungsmacher, der so etwas sagt, ist nicht nur närrisch, sondern auch gefährlich." Ronald Asmus, Regierungsberater des Council of Foreign Relations in Washington, kritisierte die Vergleich von Bush mit Bin Laden als "verheerend und katastrophal". Gary Smith, Chef der American Academy in Berlin, sagte: "Eine Minderheit in Deutschland will die Besonnenheit von US-Präsident Bush offenkundig gar nicht wahrnehmen." Wickert bescheinigte er "Anti-Amerikanismus".

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