ARD: Kirch ist am Zug
Bundesliga-Klubs sperren ARD-Teams aus Stadien aus

Die Fußball-Bundesliga geht im Streit um bewegte Fernsehbilder in der Tagesschau auf Konfrontationskurs mit der ARD. Die Vereine Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Bayer 04 Leverkusen wiesen das Verlangen auf Kurzberichterstattung zurück.

dpa HANNOVER. Der WDR will am Samstag beim Bundesliga-Start kurze Ausschnitte von den Partien Dortmund - 1. FC Nürnberg, Mönchengladbach - Bayern München und Leverkusen - VfL Wolfsburg für die ARD-Nachrichtensendung um 20 Uhr aufnehmen und hat deshalb Zugang für 20 Mitarbeiter und drei Ü-Wagen beantragt. Die gastgebenden Vereine wollen die ARD-Teams aber nicht akkreditieren und in ihre Stadien lassen.

"Die angeschriebenen Vereine sind nicht alleine Veranstalter im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages. Veranstalter ist vielmehr auch der Ligaverband, an diesen ist kein Antrag seitens der ARD zur Kurzberichterstattung vom ersten Spieltag ergangen", heißt es in dem gemeinsamen Schreiben der Westclubs. Die Akkreditierungs-Anforderung des WDR bezeichneten die Manager als "unverhältnismäßig". Als dritten Grund für ihre Ablehnung nannten die Bundesligisten den bestehenden TV-Vertrag zwischen der Kirch-Agentur ISPR und der ARD: "In diesem Vertrag verzichtet die ARD explizit auf die Kurzberichterstattung gemäß des Rundfunkstaatsvertrages für die Saison 2001/2002."

Der SWR-Intendant Peter Voß ließ es offen, ob die ARD den Zugang in die Stadien juristisch erzwingen will. "Das hängt nicht von uns ab, sondern von der Kirch-Gruppe. Wir haben Streit mit Kirch, nicht mit den Vereinen", erklärte der stellvertretende ARD-Vorsitzende. "Das Vorgehen der Vereine hat uns nicht überrascht. Die Kirch- Gruppe ist jetzt am Zug. Noch ist es nicht zu spät, Einvernehmen zu erzielen. Sollte dies nicht gelingen, würden uns nur juristische Schritte bleiben", sagte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers.

Die ARD, die die freie Auswahl für 90-Sekunden-Spielberichte in der Tagesschau verlangt und auf den gültigen Vertrag mit der ISPR pocht, denkt über eine Einstweilige Verfügung gegen das Kirch- Unternehmen nach. "Wir bestehen gegenüber der Sportrechteagentur ISPR auf Vertragserfüllung, nach dem man die Geschäftsgrundlage zu unseren Lasten und auf handstreichartige Weise einseitig verändert hat. Daraus ergeben sich alle rechtlichen Überlegungen und Schritte", sagte Voß.

Die Kirch-Gruppe zeigte sich am Dienstag nach eigenen Angaben gesprächsbereit. "Wir haben ein gutes Angebot gemacht", betonte Alexander Liegl, Sportrechte-Geschäftsführer bei Kirch-Media in München. Auf Arbeitsebene sei eine Einigung erzielt worden, die ARD - Intendanten hätten aber ihr Veto eingelegt. Möglichen Einstweiligen Verfügungen sehe man gelassen entgegen. "Die ARD steht wie eine Eins. Die Behauptung der Kirch-Seite, auf der Arbeitsebene habe es ein Einvernehmen gegeben, das von den Intendanten nicht akzeptiert worden sei, ist ein kleines, durchsichtiges Foulspiel", erklärte Voß, der zur Zeit den im Urlaub befindlichen ARD-Chef Fritz Pleitgen vertritt.

Nach unbestätigten Informationen wird im Hause Kirch auch das Modell durchgespielt, die Bundesliga-Sendung "ran" von Sat.1 bereits um 20 Uhr statt wie geplant um 20.15 Uhr zu starten. Dann könnte die ARD-Tagesschau gegen 20.15 Uhr als Zweitverwerter in kurzen Ausschnitten über das Top-Spiel der Bundesliga berichten.

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