ARD-Schlusskonferenz profitiert vom Streit um TV-Übertragung
Die Radio-Fußball-Reportage erlebt eine Renaissance

Den Steyler-Missionaren im kongolesischen Kikwit kann der Streit um Fernsehen und Fußball egal sein: Wenn sie am Samstag etwas von der Bundesliga mitbekommen wollen, schalten sie schon seit Jahren ihren Weltempfänger ein. Wie die Entwicklungshelfer am anderen Ende der Welt halten es seit Saisonbeginn auch immer mehr Fans in Deutschland.

afp MÜNCHEN. Zehn Millionen Hörer lockt die Schlusskonferenz der ARD regelmäßig an die Apparate und damit ein Mehrfaches von dem, was die Fußball-Sendung "ran" oder der Bezahl-Sender "Premiere World" registrieren können. "Bei uns rufen immer wieder Leute an und sagen, ich höre jetzt wieder Radio," sagt WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin.

Eine bessere Werbung für Fußball im Radio als die Verlegung von "ran" auf 20.15 Uhr hätte es kaum geben können. Selbst Bundespräsident Johannes Rau meldete sich zuletzt aus seinem Ferienhäuschen auf Spiekeroog und nannte die ARD-Schlusskonferenz ab 16.55 Uhr "unübertrefflich". Tatsächlich ist die Sendung derzeit Kult. Egal ob in den Schrebergartenkolonien im Ruhrgebiet, auf der Autobahn oder in der Badewanne: Mit seiner Mobilität steckt das Radio Fernsehen und Internet bequem in die Tasche, sagt etwa WDR-Reporter Manfred "Manni" Breuckmann.

Breuckmann gehört mit der WDR-Sportchefin Sabine Töpperwien und dem bayerischen Moderator Günter Koch zum Urgestein der Radioberichterstattung seit Beginn der Bundesliga vor 38 Jahren. Wenn die Reporter am Samstag von der federführenden WDR-Zentrale in Köln für die letzten 20 Minuten des Spieltags zur Konferenz zusammengeschaltet werden, gibt es kein Halten: "Tor in Rostock, Tor in Nürnberg - ich fass das nicht, ich halt das nicht mehr aus, und er müßte schießen - Toooor, Tooooor - Hallo, hier ist Nürnberg! Wir melden uns vom Abgrund, denn das Spiel ist aus!", brüllte der bekennende Nürnberg-Fan Koch am letzten Spieltag der Saison 1998/1999 ins Mikrofon. Für sein Leiden heimste der Reporter später eine Reihe von Preisen ein, die ARD verbreitete sogar eine CD mit den Kommentaren ihrer Moderatoren.

Auch der letzte Spieltag der vergangenen Saison mit dem dramatischen Meisterschaftsgewinn des FC Bayern München und den unterlegenen Schalkern gilt wieder als preisverdächtig: die CD "Finale Furioso. Das spannendste Bundesliga-Finale aller Zeiten" ist schon tausendfach verkauft worden.

Die Renaissance der lange totgesagten Radio-Reportage ruft natürlich auch Neider auf den Plan. In diesem Jahr pochten die Vereine zum ersten Mal auf eine bereits 1982 geschlossene Vereinbarung, wonach sich die ARD zwar in der ersten Halbzeit live in ein Spiel einblenden, aber nur zeitversetzt kommentieren darf. Parallel baute die Liga ihre eigene Übertragung im Internet weiter aus, mit 100 000 Zugriffen ist diese aber bei weitem nicht so erfolgreich wie die ARD.

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