ARD und ZDF war der Preis für die WM-Rechte zu hoch
Geteilte Reaktion auf gescheiterten Fußball-Vertrag

Zwischen Verständnis und Kritik schwanken die Reaktionen auf den gescheiterten Fußball-WM-Vertrag zwischen ARD/ZDF und der Kirch-Gruppe.

dpa HANNOVER. Zwischen Verständnis und Kritik schwanken die Reaktionen auf den gescheiterten Fußball-WM-Vertrag zwischen ARD/ZDF und der Kirch-Gruppe. Zugleich hat innerhalb der öffentlich- rechtlichen Anstalten eine Auseinandersetzung über die Schuldfrage eingesetzt. Nach Ansicht des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) hätten ARD und ZDF dem vorliegenden Paket zustimmen sollen. "Mit dem Kompensationsgeschäft - Olympia-Rechte und EM-Spiele als Ausgleich - wäre das Ganze aus meiner Sicht tragbar gewesen", sagte Beck. Für den Chef der Rundfunkkommission der Länder ist das letzte Wort in der Sache so gut wie gesprochen. "Ich hoffe nicht, aber ich fürchte, dass es so ist."

Dagegen gibt es für den ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen noch ein Hintertürchen. "Man soll nie nie sagen. Sie können davon ausgehen, wenn die WM 2006 in Deutschland kommt, da mag Kirch jetzt sagen was er will, wir werden antreten", sagte Pleitgen in der ARD. Zudem will die ARD die angedrohte Aussperrung ihrer Radio-Reporter bei der WM im nächsten Jahr in Japan/Südkorea nicht kampflos hinnehmen. "Wir werden dagegen angehen", kündigte Pleitgen einen möglicherweise komplizierten Streit um die strittigen Radiorechte an.

ARD und ZDF wollten keine 750 Mill. DM für die Rechte zahlen

Unterstützung erhielten Pleitgen und die ARD-Intendanten von Heide Simonis. Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin erklärte im Gegensatz zu ihrem Parteifreund Beck, für sie sei es nachvollziehbar, dass ARD und ZDF auf die Rechte im Paket bestanden und nicht den geforderten Preis von 750 Mill. DM bezahlt hätten. "Kirch hat zu hoch gepokert", meinte Simonis. Beck bedauerte das Scheitern mit Blick vor allem auf 2006. Der Werbeeffekt für Deutschland, für die Wirtschaft und die Gesellschaft wäre nach seiner Einschätzung größer gewesen als in einem Umfeld, in dem jede Zehntelsekunde mit Werbung ausgefüllt wird.

Innerhalb von ARD und ZDF wächst indessen der Unmut über das Scheitern und die Verhandlungsstrategie. Nach Medienberichten hat vor allem NDR-Intendant Jobst Ploog gegen den vorliegenden Entwurf opponiert. ARD-Sprecherin Gudrun Hindersin wies dies zurück und betonte die Einigkeit zwischen ARD und ZDF. "Man hätte besser verhandeln können", meinte dagegen ein ARD-Sportreporter. "Unser Ärger ist beträchtlich", sagte ein ZDF-Sprecher. Intendant Dieter Stolte war bereits am Vortag als Verhandlungsführer seines Senders mit einer eigenen Erklärung vorsichtig auf Distanz zum öffentlich- rechtlichen Partner gegangen. Das "wiederholte Verlangen nach Mehr" der ARD habe nach Angaben des ZDF-Sprechers die Verhandlungsposition erheblich geschwächt.

SAT1 sendet möglicherweise 24 Live-Spiele

Der Bundesliga-Sender SAT.1 steht derweil als mögliche Abspielstation für 24 Live-Spiele bei der nächsten WM zur Verfügung. "Wir sind sehr interessiert. Von der redaktionellen Seite könnten wir eine WM stemmen", sagte "ran"-Redaktionsmanager Manfred Martens. Bei einem Verkauf der europaweit 1,7 Mrd. DM teuren Rechte an SAT.1 würde die Kirch-Gruppe allerdings das Geld aus der rechten Tasche nehmen und in die linke Tasche stecken. SAT. 1 gehört ebenso wie das DSF und Pro 7 zur Kirch-Familie.

Um eine Refinanzierung zu erreichen, ist es daher wahrscheinlich, dass Kirch versucht, einen Vertrag mit RTL abzuschließen. Im Gespräch sind 250 Mill. DM für die WM 2002. Der Champions-League-Sender hat sein grundsätzliches Interesse bekundet und befindet sich in einer guten Verhandlungsposition. Der sonst so auskunftsfreudige Informationschef Hans Mahr wollte am Donnerstag aber kein neues Statement abgeben. "RTL verhält sich kostenbewusst. Die können auf Zeit spielen", hieß es aus ARD-Kreisen.

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