ARD und ZDF zahlen viel Geld für wenig Fußball
Analyse: Das zähe Ringen um die Rechte

Seit Monaten verhandeln ARD und ZDF bereits mit der Kirch-Gruppe über die Sportrechte. Eine Frage der Balance- für alle Beteiligten.

jgo DÜSSELDORF. Auf eine von der Kirch-Gruppe als Einigung ausgegebene Annäherung folgte im Frühjahr die Meldung vom Scheitern der Verhandlungen. Daraufhin machte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder dafür stark, die Spiele im Programm von ARD und ZDF anzusiedeln. "Herr Kirch, sorgen Sie dafür, dass sich ihre Leute mit den Vertretern von ARD und ZDF zusammensetzen, damit die Fans das sehen, was sie wollen", fordert der Kanzler.

Dribbeln um Wählerstimmen

Auch NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) und der bayerische Landeschef Edmund Stoiber (CSU) appellierten an beide Verhandlungsparteien, doch noch zu einer Einigung zu kommen. Bayern verfolgt dabei ein Doppelspiel: Vor der Intervention zu Gunsten der hohen Geldausgabe hatte die Landesbank der Kirch-Gruppe mal wieder unter die Arme gegriffen.

Die Worte der Politik wirkten. Anfang März teilte ZDF-Intendant Dieter Stolte mit, die Übertragungsrechte seien "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" gesichert. Bei vier Enthaltungen stimmten die Intendanten der ARD-Sender dem Vertrag zu. Das Verhandlungsergebnis ist also zu einem nicht geringen Teil auf Druck der Politik zurückzuführen. In den ARD-Anstalten gibt es nach wie vor Vorbehalte.

Gebührendebatte und Legitimationskrise

Die öffentliche Diskussion, wo und zu welchem Preis die Spiele ausgestrahlt werden sollen, setzte beide Verhandlungsparteien unter Zugzwang. Für ARD und ZDF geht es dabei vor allem darum, sich den Zugang zu attraktiver Programmware zu sichern, die ihre im internationalen Vergleich hohen Gebühren in den Augen der Öffentlichkeit gerechtfertigt erscheinen lassen.

Außerdem verteidigen die öffentlich-rechtlichen Sender auf diese Weise eine breite Definition des Programmauftrags, zu dem Information, Bildung und Unterhaltung gleichermaßen gehören. Sollten ARD und ZDF keine Sportrechte erhalten, stehe ihre Zukunft auf dem Spiel, warnte bereits die Vorsitzende des Bundestags-Medienausschusses, Monika Griefahn (SPD). In den Anstalten selbst wiederum müssen sich die Intendanten Kritik erwehren, für Informationsprogramme vergleichsweise wenig Geld bereit zu stellen.

Die Kirch-Gruppe muss einen Weg finden, die hohen Ausgaben für die Rechte mit einem Finanzierungsmodell zu verbinden, das auf den besonderen Stellenwert der Ware Fußball Rücksicht nimmt. Schutzklauseln, die eine Ausstrahlung im Free-TV fixieren, und Politiker, die mit einer weiter reichenden Enteignung drohen, erschweren die Geschäfte.

Finanzprobleme des Co-Investors, der Schweizer Sportrechte-Agentur ISMM/ISL eröffnen zugleich die Perspektive auf eine Übernahme der übrigen Rechte an den Spielen 2002 und 2006. Derzeit prüft allerdings auch der Medienkonzern Vivendi die Übernahme der Sportrechte-Agentur.

Neue Grenzen dank moderner Technik

Ganz am Rande der Diskussion geht es bei den Sportrechten auch darum, welchen Gefahren das Freie Fernsehen durch digitale Technik ausgesetzt sein kann. Verständlicherweise hat die Kirch-Gruppe kein Interesse daran, die teuer erkauften Rechte nur in Deutschland zu vermarkten. Aus diesem Grund soll das Programmsignal für die digitale Verbreitung via Satellit verschlüsselt werden. Haushalte deren Set-Top-Box für die Entschlüsselung nicht gerüstet ist, können die Sendungen dann nicht empfangen. Zugleich aber ist sicher gestellt, dass die Sportsendungen nicht in andere Länder "abstrahlen".
Noch trifft dieser Schritt nur eine Minderheit. Denn die Umstellung auf Digital-TV verläuft noch sehr schleppend. Die Grundsatzfrage aber bleibt: Wer darf dem freien Fernsehen in Zukunft Grenzen setzen?

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