ARD und ZDF zittern um Senderechte – Sport bleibt Kerngeschäft von Kirch
Neuer Streit um WM-Spiele

Der Sportrechtehandel soll eines von drei Standbeinen der neuen Kirch Media werden. Die Münchener wollen deshalb ihre Bundesliga- und Fußball-WM-Rechte trotz des Insolvenzantrags von Kirch Media behalten. Der Neustart wird nicht einfach: Mit ARD und ZDF liefert sich Kirch Sport heftige Gefechte.

HB MÜNCHEN. Die Situation wird immer brenzliger: Sollte das Insolvenzverfahren über Kirch Media in den nächsten Tagen wie erwartet beginnen, könnten ARD und ZDF ihre Übertragungsrechte für die aktuelle WM verlieren. Der Insolvenzverwalter erwäge, im Insolvenzfall von den bestehenden Verträgen zurück zu treten, bestätigte gestern die Kirch-Gruppe.

Der Grund: ARD und ZDF schulden Kirch Media noch 50 Mill. Euro. Die Summe ist allerdings verbunden mit einem Vertragsabschluss für die WM 2006, für die Kirch Media ebenfalls die Rechte besitzt. Darüber ist aber noch nicht verhandelt worden. Seit Tagen streiten sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten und Kirch darüber hinaus über die digitale Satelliten-Ausstrahlung der Fußball-WM.

ARD und ZDF sind bislang nicht auf einen Lösungsvorschlag von Kirch eingegangen, den Vertrag von Kirch Media kurzfristig auf die in der Schweiz angesiedelte Kirch WM AG zu übertragen. Die Kirch WM AG ist von der Insolvenz nicht unmittelbar betroffen, die Übertragungsrechte wären also nicht gefährdet.

Mit dem Transfer sind ARD und ZDF aber nicht einverstanden, denn die WM-Rechte sind verbunden mit Gegengeschäften für die Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spiele. Diese Vertragsbestandteile will Kirch-Sportchef Alexander Liegl aber nicht auf die Kirch WM AG übertragen, weil das Unternehmen sich einzig und allein auf den Handel mit den WM-Rechten beschränkt.

"Das ist ein für Kirch Media typisches Erpressungsmanöver", polterte gestern der Intendant des Südwest-Rundfunks (SWR), Peter Voß, "und eine leere Drohung." Denn Kirch würde durch den Rechteentzug die Vertrauensgrundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit ARD und ZDF zerstören.

Dass die Deutschen bei einer Insolvenz keine WM-Spiele mehr im frei empfangbaren Fernsehen sehen können, schließt ein Kirch-Sprecher aus. Es gebe genügend Sender, die Interesse an den Rechten hätten.

Mit Ausnahme der Deutschland-Verträge hat Kirch Media alle WM-Rechte in der Schweiz angesiedelt. Als Ableger der Kirch Sport AG, Zug, halten die Kirch Media WM AG die Europa-Rechte, die Kirch Media WM GmbH die außereuropäischen Rechte. Die Kirch Media WM GmbH ist im Frühjahr in die Schweiz umgezogen, um dem direkten Einfluss von Kirch Media zu entgehen. Mit Zustimmung der Gläubiger wollte Kirch durch den Transfer eine Vertragskündigung des Weltfußball-Verbands Fifa vermeiden. Im Insolvenz-Fall hätte die Fifa sonst aussteigen können.

Anfang April hat Kirch Media Insolvenzantrag gestellt. In der Firma hat der Medienunternehmer Leo Kirch sein Stammgeschäft gebündelt, den Film- und Sportrechtehandel sowie die Beteiligung an der Pro Sieben Sat 1 Media AG. Darüber hinaus hat die Dachgesellschaft des Pay-TV-Senders Premiere, Kirch Pay TV, Insolvenz beantragt.

Der Sportbereich soll in jedem Fall auch künftig bei Kirch Media eine große Rolle spielen. Derzeit ist geplant, das gesamte Geschäft von Kirch Media in eine Auffanggesellschaft zu übertragen. Eine der drei Säulen dieser Auffanggesellschaft wäre Kirch Sport, sagte Liegl dem Handelsblatt.

Liegl will die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga und an der WM 2006 behalten: "Wir haben gültige Verträge mit dem Weltfußball-Verband Fifa und die werden wir erfüllen." Besonders erfreulich für die hoch verschuldete Kirch-Media: "Wir haben die Rechtekosten für 2006 durch die bisherigen Verkäufe jetzt schon mehr als gedeckt. Auch mit der laufenden WM sind wir mehr als zufrieden. Davon profitiert auch die Fifa, die an den Erlösen beteiligt ist."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%