ARD-Vorsitzender Voß kritisiert Kirch-Media
Hoher Marktanteil trotz TV-Blackout

Trotz des Eklats um die Aussperrung von rund einer Million Fernsehhaushalte hat die Fußball-Weltmeisterschaft für die ARD mit einem Quoten-Erfolg begonnen. 6,13 Mill. Zuschauer sahen am Freitagmittag den sensationellen 1:0-Sieg von Senegal gegen Titelverteidiger Frankreich. Die Live-Übertragung aus Seoul erreichte nach eigenen Angaben einen hohen Marktanteil von 53,6 %. Die Quote hätte noch höher sein können, doch die Haushalte mit digitalen Satelliten-Empfangsgeräten konnten das Spiel nicht sehen.

dpa HANNOVER. Die Wut und Enttäuschung vieler Fußballfans war auch am Samstag groß. Sie wich aber zunehmend der Suche nach Alternativen. Fachmärkte berichteten von einer starken Nachfrage nach analogen Receivern. Mit diesen Geräten, die rund 50 ? pro Stück kosten, können die TV- Geräte so umgerüstet werden, dass die WM-Übertragungen von ARD/ZDF zu sehen sind. Eine andere Lösung sind Zimmerantennen. Sie sind bereits für 15 ? zu kaufen, bieten aber nicht die gleiche Gewähr für scharfe WM-Bilder wie die analogen Receiver.

Der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß räumte ein, er könne den Ärger der Gebührenzahler verstehen. Im Digital-Streit mit KirchMedia erhob er aber schwere Vorwürfe gegen den Rechteinhaber. Das Unternehmen habe in den Verhandlungen "schlicht nicht die ganze Wahrheit gesagt", sagte Voss dem "Spiegel". Das sei "kein sauberes Spiel" gewesen. KirchMedia verwies dagegen auf den WM-Vertrag, in dem sich ARD/ZDF verpflichtet hatten, die digitale Ausstrahlung auf Deutschland zu beschränken und zu verschlüsseln.

Laut Voß habe Kirch Media erst kurz vor dem Anpfiff der Partie Frankreich - Senegal ARD und ZDF eröffnet, dass etwa in Nordafrika Vertragsstrafen drohten. Von dort seien die Anstalten sogar bereits anwaltlich abgemahnt worden. Zudem habe Kirch "plötzlich die Umkehr der Beweislast gefordert: Danach müssten wir nachweisen, dass wir niemanden schädigen. Das ist absurd und ein rechtliches und finanzielles Risiko, das wir den Gebührenzahlern nicht zumuten können".

Auch Sat 1 litt unter dem TV-Streit. Die Zusammenfassung des ersten WM-Tages lockte am Freitagabend nur 2,15 Mill. Fans vor den Bildschirm. Der Marktanteil von 9,3 % lag hinter den eigenen Erwartungen.

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