ARD/ZDF gehen auf die Barrikaden
DFB sorgt mit Umzugsplänen für Unmut

Die sprunghaften Entscheidungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben zu einer ernsthaften Verstimmung bei ARD und ZDF geführt. Entgegen allen Ankündigungen und bisherigen Absprachen hat der Verband beschlossen, während seines Südkorea-Aufenthaltes nicht in Seogwipo auf der Insel Jeju zu bleiben, sondern - im Falle eines erfolgreichen Viertelfinales am Freitag in Ulsan - nach Seoul umzuziehen.

sid SEOUL/SEOGWIPO. ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz ist über diese neuen Pläne äußerst verstimmt: "Wir sind total überrascht. Es gab keine Anzeichen und keine Information. Diese Entscheidung stellt uns vor größte Probleme. Wir können uns weder logistisch noch finanziell ein drittes Medienzentrum leisten."

Im Vertrauen auf die DFB-Zusagen hatten die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die bereits 125 Mill. ? für die Übertragungsrechte an die Kirch-Gruppe bezahlt hatten, von Japan aus 2,5 Tonnen Material nach Südkorea transportiert, um von dort die gewohnte Qualität in der Berichterstattung gewährleisten zu können. Eine komplette Turnhalle wurde von den deutschen Sendern mit Studios eingerichtet. Auch der offizielle Trainingsplatz wurde komplett verkabelt, aber DFB-Teamchef Rudi Völler weicht meistens auf einen Reserveplatz aus.

Darunter muss indirekt auch der deutsche Gebührenzahler leiden. "Wir haben einen deutlich sechsstelligen Euro-Betrag für unsere Infrastruktur in Seogwipo investiert", erklärt Gruschwitz verärgert. Noch deutlichere Worte fand ARD-Teamchef Peter Jensen: "Der DFB muss sich fragen lassen, wie er sich eine Zusammenarbeit eigentlich vorstellt. Rudi Völler kann sich und seine Mannschaft nicht immer weiter zurückziehen. So etwas wie jetzt wäre unter dem Pressechef Wolfgang Niersbach nicht passiert. Da scheint niemand mehr Kompetenz zu haben."

Die Konsequenzen: ARD und ZDF werden bei einem möglichen Umzug nach Seoul im dort als Quartier geplanten Sheraton-Hotel kein Podium mehr aufbauen und keine Beleuchtung zur Verfügung stellen. Jensen sauer: "Ich bin gespannt, wo und wie oder ob der DFB noch Pressekonferenzen abhalten will."

Michael Amsieck von der Rechteagentur SportA, die die Heimspielrechte an den Länderspielen des DFB hält, formuliert als Jurist ungewohnt deutlich: "Es läuft nicht so, wie es laufen sollte. Bei der Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und der Nationalmannschaft sollte man sich aufeinander verlassen können."

Auch die Zeitungsjournalisten werden verprellt. Vor dem Achtelfinale war niemand bereit, ihnen Angaben über einen Abreisetermin bei einem Ausscheiden zu machen. Für den zunächst nicht vorgesehenen Umzug nach Seoul liegt noch kein Hotelangebot des DFB-eigenen Reisebüros DFB-Eurolloyd (Branchenspott: "Teurolloyd") vor. Die Agentur hatte alle Journalisten "genötigt", die Hotels bis zum Halbfinale durchzubuchen und zu bezahlen - egal, ob die deutsche Mannschaft dann noch im Turnier ist oder nicht.

Aufgeschreckt durch die massiven Proteste aus dem Medienlager traf sich am Sonntagabend (Ortszeit) noch die DFB -"Elefantenrunde" bestehend aus Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Generalsekretär Horst R. Schmidt, Direktor Bernd Pfaff, Eurolloyd-Geschäftsführer Wolfgang Wirthmann, Teamchef Rudi Völler und Assistent Michael Skibbe sowie den beiden Pressesprechern Harald Stenger und Gerhard Meier-Röhn. Man wolle das Problem noch einmal überschlafen und am Montag eine Entscheidung treffen, die dann aber wirklich definitiv sein soll, teilte Stenger mit.

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