Arena soll im April 2006 fertig sein
Start frei für Neubau des Fußball-Tempels

Nach langem Hin und Her beginnt am Montag endlich der Bau des neuen Wembley-Stadions. Dies kündigte der englische Fußballverband (FA) laut einer Meldung des britischen Senders BBC am Donnerstag an.

HB LONDON. Das englische Nationalstadion stand seit dem WM- Qualifikationsspiel zwischen England und Deutschland am 1. Oktober 2000 (0:1) leer, weil die Frage der Finanzierung des Umbaus nicht geklärt war und immer wieder Änderungen an den Bauplänen von Reichstags-Architekt Lord Norman Foster vorgenommen wurden. Ein Teil der Baukosten von mehr als 750 Mill. Pfund (1,2 Mrd. Euro) wird mit Hilfe eines Darlehens von 426 Mill. Pfund (682 Mill. Euro) durch die Westdeutsche Landesbank gedeckt.

Ob die Farce um den Fußball-Tempel in Wembley, der mit dem WM- Endspiel von 1966 zwischen England und Deutschland (4:2) und dem berühmten dritten Tor durch Geoff Hurst in der Sportgeschichte beider Länder verwurzelt ist, ein Ende gefunden hat, wird in England als völlig offen betrachtet. Vor sechs Jahren war Wembley von der britischen Regierung offiziell zum Nationalstadion erklärt worden und hatte damit die Konkurrenz aus Birmingham und Coventry geschlagen.

Doch damit begann erst das Theater. Weil die Baupläne einen Abbruch der Zwillingstürme, dem Wahrzeichen Wembleys, vorsahen, entstand ein Aufschrei der Entrüstung. Erst recht, als der damalige Sportminister Chris Smith den Denkmalschutz für sie aufhob. Die Zwillingstürme sollen nun durch einen "Triumphbogen" ersetzt werden.

Massive Kritik kam später auf, als die FA - mittlerweile Eigentümer des Stadions - die Pläne für eine Leichtathletik-Laufbahn fallen ließ. Damit würden Großbritanniens Chancen bei einer Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele vermindert, kritisierten Abgeordnete aller Parteien und das britische Nationale Olympische Komitee. Bereits im Oktober 2001 musste London die Austragung der Leichtathletik-WM 2005 zurückgeben, weil die Regierung einen dafür notwendigen Stadionbau nicht finanzieren wollte. Auf Druck der Regierung ist in den Bauplänen nun vorgesehen, dass eine mobile Leichtathletik-Anlage installiert werden kann.

Nach den Plänen in London sollen die Bauarbeiten im April 2006 beendet sein. Wegen der bisherigen Verzögerungen wird dieser Termin in England aber bezweifelt. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Baukosten noch ansteigen werden. Fast alle englischen Medien wiesen in den letzten Tagen daraufhin, dass das neue Wembley-Stadion schon jetzt so teuer ist wie der Millennium-Dom, der Milliarden teure Flop der britischen Labourregierung im Londoner Stadtteil Greenwich.

Kritiker führten an, dass selbst in Großbritannien andernorts moderne Sportarenen billiger entstanden: Das 75 000 Zuschauer fassende Millennium-Stadion in Cardiff zum Beispiel, wo die letzten beiden Endspiele im FA-Cup stattfanden, kostete nur 190 Mill. Pfund (304 Mill. Euro). Auch die Kosten für das neue, 65 000 Zuschauer fassende Stadion von Arsenal London ist nur mit 300 Mill. Pfund veranschlagt.

Die Schwindel erregenden Kosten für den Bau des neuen Wembley-Stadions setzten sich wie folgt zusammen: 352 Mill. Pfund reine Baukosten, 120 Mill. Pfund für Landkauf, 50 Mill. Pfund für Infrastruktur-Maßnahmen, 23 Mill. Pfund für den Abbruch der alten Arena, 40 Mill. Pfund für Entwicklungs- und 80 Mill. Pfund für die Finanzierungskosten sowie 85 Mill. Pfund an Gebühren für Anwälte und Bankiers. Allein für den letzten Betrag könnten sich viele englische Zweitligisten zwei Stadien bauen.

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