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Argentinien überdenkt Wechselkurspolitik

Argentiniens Staatsführung will nach Angaben aus Regierungskreisen offenbar die Freigabe der Wechselkurse überdenken. Angesichts des starken Wertverlustes der Landeswährung Peso seit der Abkopplung vom US-Dollar erwäge Präsident Eduardo Duhalde nun die Einführung fester Wechselkurse oder eines Wechselkursbandes, hieß es in der Nacht zu Donnerstag in Buenos Aires.

rtr BUENOS AIRES. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Jorge Todesca dementierte dagegen entsprechende Pläne und sagte, die Regierung habe "niemals derartige Maßnahmen im Sinn gehabt". Seit der Freigabe des Peso, der bis Jahresbeginn fest im Verhältnis von eins zu eins an den US-Dollar angebunden war, wächst die Inflationsgefahr. Seit Januar hat die Landeswährung etwa 67 % ihres Wertes verloren. Wegen des stetigen Preisanstiegs rationieren einige Supermärkte inzwischen Grundnahrungsmittel wie Reis und Zucker. Regierungsnahe Kreise gehen davon aus, dass Präsident Duhalde einen neuen Weg in der Wechselkurspolitik einschlagen muss, wenn er erneute Supermarktplünderungen und Ausschreitungen verhindern will. Im Dezember waren 27 Menschen bei Tumulten zu Tode gekommen, zwei Präsidenten mussten in der Krise zurücktreten.

Derzeit diskutieren Volkswirte drei Währungsszenarien. Demnach könnte der Peso an einen Währungskorb von US-Dollar, Euro und brasilianischem Real gebunden werden. Eine andere Überlegung sei, den Peso in einem Kursband schwanken zu lassen und die Notenbank zu Interventionen zu veranlassen, falls die Währung aus dem Band ausbrechen sollte. Schließlich könnte der Peso auch wieder fest an den Dollar, dann aber in einem Verhältnis von etwa 2,0 bis 2,5 Peso je Dollar, angebunden werden, hieß es in den Kreisen weiter.

IWF fordert Zeitplan für Wirtschaftsreformen

Die Rückkehr zur Dollarbindung könnte nach Ansicht von Experten den Internationalen Währungsfonds (IWF) verärgern, der kurz vor einer neuen Verhandlungsrunde über ein Rettungspaket für Argentinien steht. Der IWF lehnt staatliche Interventionen zur Stützung der argentinischen Landeswährung ab. Ab Anfang April wollen beide Seiten über eine Wiederaufnahme der finanziellen Unterstützung des Landes verhandeln.

US-Finanzminister Paul O'Neill forderte den argentinischen Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov auf, dem IWF einen Zeitplan der Wirtschaftsreformen vorzulegen. "Ich hoffe, sie machen das möglichst bald", sagte O'Neill am Mittwoch. Der IWF hatte im Dezember seine Kreditzusagen blockiert, da die argentinische Regierung das Haushaltsdefizit nicht in den Griff bekommen hatte. Argentiniens Staatsschulden belaufen sich auf rund 141 Mrd. Dollar.

Entwicklungsbank gibt Kredit über 694 Millionen Dollar

Während eine Finanzspritze des IWF noch nicht in Sicht ist, hat die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IADB) Argentinien einen Kredit über 694 Mill. Dollar für soziale Programme bewilligt. Zusammen mit Mitteln der argentinischen Regierung stünden damit über eine Milliarde Dollar bereit, um Hilfen für Familien zu verbessern und Infrastrukturmaßnahmen anzugehen, teilte die IADB am Mittwoch in Washington mit. Duhalde hat in der Vergangenheit mehrfach gewarnt, Argentinien könne in die "Anarchie" abrutschen, falls der IWF nicht zügig Mittel bereitstelle. Am Mittwoch löste die Polizei eine Blockade von Arbeitslosen auf einer Autobahn nach Buenos Aires auf. Noch immer kampieren Bankkunden nachts vor den Kreditinstituten in der Hoffnung, bei Öffnung der Schalter Dollar kaufen zu können.

Der Peso hielt sich in der Nacht zu Donnerstag bei Kursen um 3,00/05 Peso je Dollar, nachdem in dieser Woche bereits starke Einbrüche bis auf 3,75/4,00 verzeichnet hatte.

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