Argentinien vor Härten
Wirtschaftskrise in Brasilien zugespitzt

Die Vertrauenskrise in der brasilianischen Wirtschaft hat sich mit einem Kurseinbruch des Real und einer erneut deutlichen Zunahme des so genannten Länderrisikos zugespitzt. Der Wert des US-Dollar stieg am Montag in São Paulo im Vergleich zur heimischen Währung um 5,8 Prozent auf 3,19 Real. Im laufenden Jahr gewann der Dollar in Brasilien bereits um knapp 38 Prozent an Wert. Auch Argentiniens Wirtschaft stehen nach Ansicht internationaler Finanzexperten auf dem Weg zu erfolgreichen Reformen weitere Härten bevor.

HB RIO DE JANEIRO. In Brasilien war der Dollar am Montag zeitweilig auf 3,29 Real geklettert. Der Kurs gab nach einem Markteingriff der Zentralbank nach. Es handelte sich aber dennoch um den größten Kurssturz des Real seit der Freigabe des Wechselkurses Anfang 1999. Beobachter befürchten negative Auswirkungen für die Inflation, die zur Zeit noch bei sieben Prozent im Jahr liegt. "Am Markt herrscht Panik", sagte ein Devisenhändler.

Wie Medien unter Berufung auf Investmentbanken in den USA berichteten, wuchs unterdessen das so genannte Länderrisiko Brasiliens. Der Renditeabstand zwischen heimischen und US- Staatsanleihen stieg um rund neun Prozent auf knapp unter 2200 Basispunkte, einen der drei höchsten Werte der Welt. Die brasilianischen Außenschuldpapiere verloren kräftig an Wert.

Politische Ungewissheit

Die Vertrauenskrise wird in erster Linie von der politischen Ungewissheit vor der Präsidentenwahl im Oktober genährt. In Umfragen liegen die linksgerichteten Oppositionskandidaten Luiz Inacio Lula da Silva und Ciro Gomes klar in Führung. Der Bewerber der Mitte-Rechts- Regierung, der frühere Gesundheitsminister José Serra, liegt abgeschlagen mit einem Rückstand von 20 bis 30 Prozentpunkten.

Sorgen bereitet zudem die zunehmende Verschuldung des größten Landes Südamerikas. Finanzminister Pedro Malan sagte am Montag, das Land stehe vor einem neuen Kreditabkommen mit dem Internationalen Währungsfonds IWF. Details gab er aber nicht bekannt. Medien spekulieren mit einem Kredit über 5 bis 10 Mrd. $. "Die Krise ist nur vorübergehend", versicherte Malan.

Harte Aufgabe in Argentinien

Auch in Argentinien muss die Bevölkerung auf dem Weg aus der schweren Wirtschaftskrise mit weiteren Opfern rechnen. Der Regierung in Buenos Aires stehe eine harte Aufgabe bevor, erklärte eine internationale Expertengruppe, darunter der frühere Bundesbankchef Hans Tietmeyer, am Montag in Washington nach einem Besuch in Argentinien. Die Voraussetzungen für eine Eindämmung der Inflation und erfolgreiche Reformen seien aber vorhanden. Die Expertengruppe soll Vorschläge zur Überwindung der Wirtschaftskrise ausarbeiten. IWF-Direktor Horst Köhler erklärte sich bereit, mit Argentinien über ein Wirtschaftsprogramm zu verhandeln.

Die Börse in Buenos Aires konnte derweil kaum von der sehr guten Entwicklung an den New Yorker Leitbörsen profitieren und schloss mit 355 Punkten kaum verändert. Auch im Nachbarland Brasilien verbuchte die Börse in São Paulo lediglich einen kleinen Anstieg von 0,26 Prozent.

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