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Argentinien warnt Anleger vor Totalverlust - Anleger unbeeindruckt

Deutsche Argentinien-Anleihebesitzer wollen sich von der Drohung der argentinischen Regierung vor einem Totalverlust nicht beeindrucken lassen.

dpa-afx MÜNCHEN. Deutsche Argentinien-Anleihebesitzer wollen sich von der Drohung der argentinischen Regierung vor einem Totalverlust nicht beeindrucken lassen.

"Argentinien will eine kalte Enteignung gnadenlos durchziehen", sagte Stefan Engelsberger von der Interessengemeinschaft Argentinien (IG) am Montag der dpa. Das Land sei aber nicht zahlungsunfähig, sondern nur zahlungsunwillig. Wer das Geld nicht sofort brauche, solle abwarten und nicht das derzeitige Umschuldungsangebot Argentiniens annehmen.

Auch der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, Wolfgang Gerke, sieht keinen Grund zur Eile für noch investierte Anleger. Diese sollten zumindest bis zum Auslaufen der Fristen abwarten, ob das Angebot noch einmal aufgestockt wird.

Lavagnas Warnung

Argentiniens Wirtschaftsminister Roberto Lavagna hatte Gegner des Umschuldungsangebots laut Medienberichten vor dem völligen Verlust ihres Kapitals gewarnt. Die alten Bonds, die seit fast drei Jahren nicht mehr bedient werden, könnten nach einer erfolgreichen Umschuldung wertlos werden.

Die Umtauschaktion soll Ende November zunächst in Argentinien beginnen. Wer das Angebot akzeptiert, verzichtet auf 75 Prozent seiner Ansprüche. Private Gläubiger machen Bonds und Zinsen im Gesamtwert von etwa 100 Mrd. Dollar gegenüber dem südamerikanischen Land geltend.

Gerke: Angebots-Erhöhung Nicht Ausgeschlossen

Jeder, der in Hochzins-Auslandsanleihen investiere, wisse, dass auch das Risiko höher sei als zum Beispiel bei einer deutschen Bundesanleihe, betonte Gerke. "Das Ergebnis werden sicher nicht alle erwartete haben, aber es ist ja nicht die erste Krise in Argentinien." Für Privatanleger sei es wahrscheinlich am besten, am Ende das anzunehmen, was ihnen angeboten werde. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass das Angebot noch einmal erhöht werde. Daher sollten die Fristen durchaus ausgereizt werden.

Die IG, die nach eigenen Angaben 209 deutsche Anleger mit Ansprüchen im dreistelligen Millionenbereich vertritt, sieht unter anderem eine Chance bei einem Regierungswechsel in Argentinien. Dass die derzeitige Regierung nicht zahlen wolle, sei seit Anfang 2003 klar. Wer jetzt die Anleihe noch halte, für den mache es eventuell Sinn, weiter durchzuhalten. Unter einer neuen Regierung sei eine saubere Verhandlungslösung möglich. "Wir wissen auch, dass Argentinien nicht alles zahlen kann."

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