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Argentinien: Weitere IWF-Kredite in Mrd-Dollar Höhe zu erwarten

vwd BUENOS AIRES. Die Argentinien vom Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Aussicht gestellte "zusätzliche finanzielle Unterstützung" dürfte einerseits den kurzfristigen Druck auf das in Zahlungsschwierigkeiten steckende Land lindern. Andererseits werden die vom IWF geforderten strengen konsolidierenden Maßnahmen das Land weiter die Stagnation treiben. Die Verhandlungen mit Argentinien über die Gewährung zusätzlicher Mittel würden fortgeführt. Sie sollen in Kürze abgeschlossen werden, hat Horst Köhler, Managing Director des IWF, am Freitag verkündet.

Komme es zu einer Einigung, werde das IWF-Management dem Exekutivausschuss der internationalen Organisation die Gewährung weiterer Zahlungen an das Land empfehlen. Dazu gehört erstens ein beschleunigter Zugriff auf einen bereits genehmigten, aber noch nicht ausgeschöpften 7,4 Mrd $ schweren Stand-by-Kredit und zweitens die Bewilligung weiterer Mittel. Mit diesen Maßnahmen solle die Erstarkung der Wirtschaftspolitik des Landes unterstützt werden. Die Höhe der insgesamt zu erwartenden zusätzlichen Mittel spezifizierte Köhler nicht. Spekulationen rangieren von 10 Mrd. bis 20 Mrd $. Mit einer Entscheidung dürfte Ende Dezember zu rechnen sein.

Zusätzlich zum IWF dürften auch die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDA) zusätzliche finanzielle Hilfe für das Land vorsehen, um dazu beizutragen, dass Argentinien seinen auf 19,5 Mrd $ geschätzten Bruttofinanzierungsbedarf des nächsten Jahres decken kann. Wie Köhler sagte, steht das Land diesbezüglich mit den genannten internationalen Organisationen in Verhandlungen. Die Verlautbarung des IWF folgte einer Fernsehansprache des argentinischen Präsidenten Fernando de la Rua vom Freitag. Er hatte mehrere wirtschaftliche Maßnahmen angekündigt, deren Umsetzung der IWF zuvor immer wieder angemahnt hatte.

Dazu zählen die Privatisierung des stark belastenden staatlichen Altersversorgungssystems, ein Einfrieren des staatlichen Budgets für fünf Jahre und eine schrittweise Abschaffung der Zinsbesteuerung. Das Land hat auf Grund wachsender Zweifel der Finanzmärkte an der Bonität Schwierigkeiten, staatliche Emissionen zu platzieren. In der vergangenen Woche hatte die argentinische Regierung für eine Routineplatzierung nahezu den doppelten Zinssatz als bislang üblich zu zahlen. Die Gerüchte über eine nahende Unterstützung durch den IWF führten am frühen Freitag allerdings zu einer Bond-Rally und ließen den Interbanken-Zinssatz auf 12 % zurückfallen, nachdem er am Donnerstag auf 25 % geschnellt war.

Der Regierung scheint es mit der Konsolidierung ernst zu sein: Die Prognose des Haushaltsdefizites für das nächste Jahr hat Wirtschaftsminister Jose Luis Machinea am Freitag auf 2,5 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von zuvor 3,7 % des BIP revidiert. Im laufenden Jahr dürfte das BIP um weniger als ein Prozent wachsen, wird vorhergesagt.



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