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Argentiniens Finanzkrise erreicht einen neuen Höhepunkt

Mit der Ankündigung der argentinischen Regierung zu einer neuen Umschuldungsrunde hat die offenbar unendliche Geschichte um die Finanzkrise des lateinamerikanischen Landes einen weiteren Höhepunkt gefunden.

vwd BUENOS AIRES. Beobachter vermerken jedoch erleichtert, dass Wirtschaftsminister Domingo Cavallo erstmals zugegeben hat, dass sein Land ohne einen Schulden-Swap unter Einbeziehung ausländischer Investoren nicht mehr in der Lage sein wird, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Geplant ist offensichtlich, dass ausländische Bonds mit einem Gesamtvolumen von 38 Mrd USD in Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerer Verzinsung getauscht werden sollen.

Damit sollen der ernorme Schuldenberg und die erheblichen Zinsbelastungen Argentiniens, das mittlerweile für ein Viertel der Verschuldung von Schwellenländern an den internationalen Bondmärkten verantwortlich ist, reduziert werden. Bei anstehenden Zinsverpflichtungen allein von 431 Mill. $ in der zweiten Novemberhälfte erscheint dies mehr als geboten. Ergänzend zu diesem Swap sollen auch inländische Gläubiger einem Schuldentausch von weiteren 14 Mrd. $ zustimmen. Die konkreten Swap-Pläne der argentinischen Regierung dürften allerdings erst in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Dann wird sich auch zeigen, inwieweit die Pläne als marktfreundlich bewertet werden können.

Cavallo hofft auf IWF und Weltbank

Gleichzeitig versucht Cavallo jedoch auch, weitere Unterstützung von den internationalen Finanzorganisationen wie dem IWF, der Weltbank und der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank zu erhalten. Darüber hinaus peilt der Wirtschaftsminister im Vorfeld des verkürzten IWF/Weltbank-Treffens in Ottawa (17./18. November) womöglich auch konkrete G-7-Hilfen an. Sollte der Wirtschaftsminister hier Erfolg haben, könnte dies einen größeren Schulden-Swap erübrigen oder diesen zumindest über Garantien für die privaten Investoren absichern. Dennoch, viele Experten glauben, dass gerade der IWF frühere Ankündigungen zur stärkeren Einbindung privater Investoren zur Lösung von Finanzkrisen wahrmachen könnte und somit vorerst auf finanziellen Hilfen verzichten dürfte.

Cavallo versucht mit seiner angestrebten Umschuldungspolitik vor allem, ausländische Gläubiger einzubeziehen, um die kurzfristige Belastung des argentinischen Staatshaushalts zu verringern, nachdem er dies bislang vor allem mit inländischen Banken und Pensionsfonds versucht hat. Analysten schätzen jedoch die Beteiligung ausländischer Investoren an einem Swap-Abkommen als schwierig ein, da die ausstehenden Bonds - vor allem Eurobonds - sehr breit gestreut sind, was eine Abstimmung unter den Investoren stark erschweren dürfte.

Zudem riskiere er, so Beobachter, eine weitere Herabstufung der Bonds durch die Ratingagenturen. Standard & Poor's kündigte bereits für den Fall der Umsetzung eines Swaps an, Argentinien mit "selective default" (bedingter Schuldenausfall) einzustufen. Als Reaktion hierauf, aber auch weil die Investoren bislang nicht von der "Marktfreundlichkeit" der Swap-Pläne überzeugt sind, haben die argentinischen Bondpreise kräftig reagiert. Der Spread gegenüber US-Treasurys auf argentinische Staatsanleihen stieg am Montag mit etwas mehr als 2 000 Basispunkten auf ein neues Jahreshoch und zugleich auf das höchste Niveau seit Mitte der neunziger Jahre.

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