Argentinische Regierung will Bar-Abhebungen offenbar erleichtern: Bald mehr Bargeld für Argentinier

Argentinische Regierung will Bar-Abhebungen offenbar erleichtern
Bald mehr Bargeld für Argentinier

Nach der Abwertung des Peso erwägt die argentinische Regierung offenbar, die unpopulären Beschränkungen zur Bargeldabhebung zu lockern.

Reuters BUENOS AIRES. Die Grenze von 1000 Peso pro Monat könne zum Teil auf 1500 Peso angehoben werden, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Jorge Todesca am Dienstag einem Radiosender in Buenos Aires. Die Regeln waren im Dezember erlassen worden, nachdem die Bürger des rezessionsgeplagten Landes aus Sorge vor einer Zuspitzung der Krise ihre Bankkonten geleert hatten. Im Tagesverlauf wurden zudem nähere Informationen der Regierung zum neuen Wechselkurssystem erwartet. Unterdessen bildeten sich vor den Konsulaten Italiens und Spaniens in Buenos Aires meterlange Schlangen von ausreisewilligen Argentiniern.

Präsident Eduardo Duhalde hatte am Sonntag eine Abwertung des Peso um knapp 30 % durchgesetzt. Die Landeswährung wird hiernach im offiziellen Devisenhandel zum $ mit 1,40 Peso festgelegt, während der Peso zugleich inoffiziell vor allem für den Tourismussektor mit flexiblen Wechselkursen gehandelt wird. In den vergangenen zehn Jahren war die argentinische Währung im Verhältnis eins zu eins an den $ gekoppelt gewesen. Am Mittwoch wird der Devisenmarkt in Argentinien wieder öffnen. Experten von JP Morgan prognostizierten, die argentinische Währung könne bis zum Jahresende bis auf 2,7 Peso je $ an Wert verlieren.

Nach der Abwertung drohen zahlreichen Großkonzernen in dem rezessionsgeplagten Land nach Experteneinschätzung Verluste in Milliardenhöhe. Einige ausländische Firmen schlossen bereits kurz nach Bekanntwerden des neuen währungspolitischen Kurses ihre argentinischen Niederlassungen. Deutsche Unternehmen kündigten an, trotz der schweren Wirtschaftskrise an ihrem Engagement in dem Land festzuhalten. Vor allem große Konzerne wie Siemens, DaimlerChrylser oder Bayer erklärten, dass ein Rückzug nicht in Frage komme. Doch das Engagement deutscher Konzerne in Argentinien ist Analysten zufolge insgesamt sehr bescheiden. Daher erwarten sie keine größeren Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft.

Experten gehen davon aus, dass viele Argentinier der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas in den kommenden Wochen den Rücken kehren werden. "Ich werde nach Italien gehen, um dort zu studieren. Nur so komme ich endlich aus diesem Land heraus", sagte eine Frau, die stundelang vor dem italienischen Konsulat anstand, um ihre Ausreise zu beantragen. "Dieses Land ist am Ende. Ich habe all die Proteste satt", fügte sie hinzu. Argentinien steckt seit vier Jahren in einer Rezession und hat mit einem Schuldenberg von mehr als 140 Mrd. $ zu kämpfen.

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