Armee nimmt Vize-Premier Perisic fest
Spionageaffäre in Belgrad

Die Spionageabwehr der jugoslawischen Armee hat den serbischen Vize-Premier und früheren Generalstabschef Momcilo Perisic bei einem Treffen mit einem US-Diplomaten festgenommen.

dpa BELGRAD. Der Militärgeheimdienst werfe Perisic vor, geheime Dokumente übergeben zu haben, bestätigte die Belgrader Regierung am Freitag.

Serbiens Ministerpräsident Zoran Djindjic kritisierte den Einsatz scharf. Der US-Botschafter in Jugoslawien, William Montgomery, warnte Belgrad vor einer Krise in den Beziehungen zu Washington. Perisic wurde am Abend weiter festgehalten, während der US-Diplomat auf freiem Fuß war.

Djindjic kritisierte den Einsatz der Armee als einen hochgradigen internationalen Skandal. "Das ist ein Schlag für die internationale Glaubwürdigkeit unseres Landes", sagte der Regierungschef. Der Militärgeheimdienst habe das geltende Recht und internationale Konventionen verletzt.

Regierungsvertreter schlossen nicht aus, dass dem US-Diplomaten Papiere untergeschoben worden seien. Perisic und der US-Vertreter waren am Donnerstag um 20.00 Uhr in einer Gaststätte am Rande Belgrads gefasst worden, von wo aus der Diplomat mit einer schwarzen Kapuze abtransportiert wurde. Ein Militärvertreter sagte am Freitag in Belgrad, Perisic habe dem Ausländer vertrauliche Dokumente über den Krieg in Bosnien übergeben.

Nach inoffiziellen Berichten wurden insgesamt zwei US- Staatsbürger festgesetzt. Die US-Botschaft in Belgrad teilte lediglich mit, ein Mitarbeiter der Botschaft sei festgenommen, 15 Stunden festgehalten und später freigelassen worden. US-Botschafter Montgomery bezeichnete das Vorgehen der jugoslawischen Armee als einen direkten Angriff auf die USA, das in Belgrad regierende Parteienbündnis DOS und die Demokratie in Jugoslawien.

Perisic war 1998 vom damaligen Präsidenten Slobodan Milosevic als jugoslawischer Generalstabschef abgesetzt worden. Perisic schloss sich mit seiner Partei der damaligen Opposition an und ist jetzt Mitglied der Regierungskoalition DOS von Regierungschef Zoran Djindjic. Perisic ist auch Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundesparlamentes.

Perisic war 1991 und 1992 auch Befehlshaber der damaligen von Serben beherrschten jugoslawischen Volksarmee in der kroatischen Adriastadt Zadar und im bosnischen Mostar. Ein kroatisches Gericht hatte ihn in Abwesenheit zu 20 Jahren Gefängnis wegen Beschusses der historischen Stadt und anderer Kriegsverbrechen verurteilt.

Der jugoslawische Armeechef Nebojsa Pavkovic warf unterdessen seinem Vorgänger Perisic in einem Interview mit "Nacional" Amtsmissbrauch vor. Perisic habe in seiner Amtszeit zwischen 1993 und 1998 insgesamt 4,5 Milliarden jugoslawische Dinare aus dem Haushalt der Armee missbräuchlich verwendet, zitierte "Nacional" den Militärchef. Der Betrag entspricht nach aktuellem Wechselkurs knapp 80 Millionen Euro.

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