Armeeoperation im Gazastreifen
Nahost-Sicherheitsgespräche vertagt

Ein neuer Anlauf zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten ist vorerst gescheitert. Neue Sicherheitsgespräche Israels und der Palästinenser gingen in der Nacht zum Donnerstag ohne den erhofften Durchbruch zu Ende.

dpa/HB RAMALLAH/GAZA/WASHINGTON. Die Kontakte sollen allerdings in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Nach Vertagung der Gespräche rückte die Armee mit zahlreichen Panzern in den nördlichen Gaza-Streifen ein und tötete dabei einen 17-jährigen Palästinenser mit einem Kopfschuss. Außerdem wurden vier Häuser von Angehörigen mutmaßlicher Terror-Drahtzieher im Westjordanland gesprengt.

Für den Fehlschlag der Sicherheitsgespräche über einen schrittweisen Rückzug israelischer Truppen aus autonomen Palästinensergebieten machten die Palästinenser Israel verantwortlich. Der Berater von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, Nabil Abu Rudeineh, sagte nach dem vierstündigen Treffen, die israelische Delegation habe unannehmbare zusätzliche Forderungen gestellt. Er kritisierte insbesondere, dass die Armee sich nicht wie im Vorschlag von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser vorgesehen zeitgleich aus Gaza und Bethlehem zurückziehen wolle, sondern nur aus Gaza.

Aus palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es weiter, Israel habe außerdem von der Autonomiebehörde verlangt, die Büros radikaler Palästinensergruppen wie der Hamas im Gaza-Streifen zu schließen und deren Aktivisten unter Hausarrest zu stellen.

Der israelische Rundfunk meldete, Ben-Elieser sei fest entschlossen, die israelisch-palästinensischen Treffen fortzusetzen. Radikale Palästinenserorganisationen, darunter die Hamas-Bewegung, lehnten die Vereinbarung ab, die das palästinensische Kabinett am Mittwoch im Grundsatz gebilligt hatte.

Auch hochrangige Mitglieder innerhalb der Fatah-Bewegung Arafats kritisierten den Plan, weil er die Palästinenser um zehn Jahre zurückwerfe. Aus Palästinenserkreisen hieß es weiter, Israel könne von der Autonomiebehörde nicht erwarten, dass sie die Armee ersetze. Der einzige Weg, Anschläge zu verhindern, sei eine Wiederherstellung der normalen Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung.

Die palästinensische Delegation, die sich zu Gesprächen mit US- Außenminister Colin Powell in Washington aufhält, warf der US-Regierung unterdessen vor, sich im Nahen Osten auf ein "Krisenmanagement" zu beschränken. Die Regierung versuche nicht, eine dauerhafte Lösung für den Konflikt zu finden, sagte der Leiter der Delegation, Kommunalminister Sajeb Erekat, in Washington. Die Delegation wollte noch am Donnerstag mit Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zusammentreffen.

Es ist das erste Treffen ranghoher US-Politiker mit Palästinensern seit Präsident George W. Bush im Juni eine neue politische Führung zur Voraussetzung für US-Unterstützung eines Palästinenserstaates gemacht hatte. Erekat, ein enger Berater Arafats, wies diese Forderung zurück. "Die Alternative zu Arafat ist Chaos", sagte Erekat.

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