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Armer Alexander von Schönburg

In unserer Journalistenschule war es eine der obersten Regeln: "Der ärmste Mensch unter der Sonne ist ein Journalist ohne Thema." Somit ist "Park Avenue"-Chefredakteur Alexander von Schönburg ein journalistischer Bettler. Im wahrsten Sinne des Wortes.

In unserer Journalistenschule war es eine der obersten Regeln: "Der ärmste Mensch unter der Sonne ist ein Journalist ohne Thema." Somit ist "Park Avenue"-Chefredakteur Alexander von Schönburg ein journalistischer Bettler. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Damals, in der Journalistenschule, lief jeder Morgen gleich ab. Erst Zeitung lesen, dann "Themen finden & verkaufen". Sprich: Jeder musste ein Thema an den Chefredakteur (also den Schul-Chef) bringen. Leicht war das nicht. Wer mit einem Thema scheiterte hörte: "Nächste Runde Hockenheim" und war nochmal dran. Es konnte lange dauern...

Denn ein Journalist, der nicht weiß, worüber er schreiben soll ist in der Tat - sagen wir es offen - eine arme Sau. Da lassen verzweifelte Ressortleiter schon mal zehn Jahr alte Ausgaben aus dem Archiv holen, um sich Anregungen aus der Vergangenheit zu holen. Oder Chefredakteure betteln auf Internet-Plattformen, wie gerade in Kres s Online (nur über Abo) zu lesen ist:

"Auf Kontakt-Suche im Netz ist Alexander von Schönburg, Chefredakteur von Gruner neuer Edel-Zeitschrift "Park Avenue". Nein, nein, nicht, was Sie jetzt vielleicht denken! Von Schönburg, der von G+J nicht zuletzt wegen seiner exzellenten Kontakte eingekauft wurde (er ist der Bruder von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis), fahndet nach Informanten und Tipp-Gebern für Geschichten in der Online-Community "A Smallworld.net" Dort schreibt er: "I've just started a new magazine in Germany ("Park Avenue"). It's a bit of fusion of 'Tatler', 'Vanity Fair' and 'The Spectator' - in German though. I'm looking for stringers who feel like contributing to my magazine. Little quirky stories, chit-chat, gossip, 'what's hot'-kind of stuff." Die Seite, auf der von Schönburg zum Info-Plausch bittet , ist eine Community, bei der man nur über persönliche Einladungen reinkommt und die der Kontaktpflege von jungen Erfolgreichen dient. Über den ungewöhnlichen Weg des Online-Forums sucht der "Park Avenue"-Chef nicht nur "quirky stories" sondern bietet auch gleich noch 50 Frei-Abos des Edel-Magazins feil. "Schnupper-Abos", seien das, sagt er selbst zu kress, die nach drei Monaten wieder auslaufen würden. Mittlerweile haben sich schon zahlreiche Bewohner der "Small World" gemeldet. Die allermeisten haben aber keinen "hot Stuff" im Gepäck, sondern spechten bloß auf das Frei-Abo."

Man bedenke: Gerade mal eine Ausgabe ist bisher von "Park Avenue" erschienen. Sonderlich einfallsreich war die ja nun nicht. Aber vermutlich hält sich von Schönburg einfach an den Bestseller, den er schrieb: "Die Kunst d es stilvollen Verarmens. Wie man ohne Geld reich wird."

Oder ohne Themen zum Chefredakteur.

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