Armstrong fährt in Gelb nach Paris
Ullrich stürzt beim entscheidenden Zeitfahren

Lance Armstrong verlor zwar das Zeitfahren von Pornic nach Nantes, steht aber vor seinem fünften Tour-de-France-Sieg in Serie. Für den Tour-Debütanten Uwe Peschel ist die Tour beendet.

HB/dpa NANTES. Das mit größter Spannung erwartete Duell gegen Jan Ullrich entschied der Seriensieger aus Texas am Samstag zu seinen Gunsten, den Kampf gegen die Uhr zwischen Pornic und Nantes verlor er nach 49 Kilometern allerdings gegen den Schotten David Millar, der in 54,05 Minuten knapp am neuen Tour-Rekord vorbei fuhr.

Ein Sturz von Ullrich 13 Kilometer vor dem Ziel auf regennasser Straße beeinflusste das Ergebnis - auch wenn der Olympiasieger den wahrscheinlichen Toursieg Armstrongs sicher auch nicht verhindert hätte, wenn er heil über die Strecke gekommen wäre. "Ich bin ein bisschen traurig, denn das Zeitfahren hätte ich gern gewonnen", sagte Ullrich. "Um den Gesamtsieg wäre es aber sicher nur noch gegangen, wenn Lance gestürzt wäre. Dieses Zeitfahren heute war nicht dazu geeignet, Armstrong noch eine Minute abzunehmen."

Ullrich lag zum Zeitpunkt seines Unfalls in einem Kreisverkehr, in dem vor ihm auch Uwe Peschel gestürzt war, sechs Sekunden vor Armstrong, der danach sein Tempo aus Vorsicht drosselte. Der Träger des Gelben Trikots gab sich im Zeitfahren 14 Sekunden hinter Millar mit Rang zwei zufrieden. Ullrich wurde mit 25 Sekunden Rückstand Vierter.

Gefährliche zehn Kilometer

Der Texaner, am Start 1:05 Minuten vor Ullrich, nimmt die letzten 152 Kilometer der Tour am Sonntag jetzt mit 1:16 Minuten Vorsprung auf den Olympiasieger aus Scherzingen in Angriff. Nur noch ein Sturz dürfte ihn vom fünften Toursieg in Folge abhalten können. Alexander Winokurow vom Team Telekom ist weiter Dritter mit 4:29 Minuten Rückstand hinter Armstrong, der gegen Ullrich das erste Zeitfahren in Cap Découverte mit Pauken und Trompeten (1:36 Minuten zurück) verloren hatte.

"Als ich über Funk vom Sturz Ullrichs hörte, bin ich sofort langsamer und vorsichtiger gefahren. Ich wusste, dass die letzten zehn Kilometer total gefährlich sind. Ich wollte heute nicht die Etappe gewinnen, sondern die Rundfahrt", sagte ein überglücklicher Armstrong, der am Sonntag mit Miguel Indurain gleichziehen kann. Der Spanier gewann von 1991 bis 95 als bislang einziger Radprofi fünf Frankreich-Rundfahrten hintereinander.

Ullrich startete wie vom Blitz getroffen und sammelte auf den ersten Kilometern nach dem Start sechs Sekunden Vorsprung, von denen er aber schnell wieder zwei verlor. Bei der ersten offiziellen Zwischenzeitnahme nach 15 Kilometern waren beide auf die Sekunde gleichauf, nach 32,5 Kilometern lag Ullrich mit zwei Sekunden in Front. Der Texaner war den Kurs am Morgen in strömendem Regen abgefahren, Ullrich begnügte sich im Hotel mit einem Video über den Streckenverlauf.

Das Tour-Aus für Uwe Peschel

Der Tour-Rekord war in Gefahr, hielt aber. Millar fuhr einen Durchschnitt von 54,36 km/h. Die Bestmarke des dreimaligen Toursiegers Greg LeMond (USA) von 1989 beträgt 54,54 km/h, aufgestellt im letzten Zeitfahren über 24,5 Kilometer, bei dem er Laurent Fignon (Frankreich) auf den Champs Elysées in Paris noch den sicher geglaubten Sieg nahm.

Für den Debütanten Peschel vom Team Gerolsteiner ist die Tour zu Ende - er muss operiert werden. Der gebürtige Berliner und WM-Dritte von 1995 stürzte zwei Mal, erlitt zwei Rippenbrüche und Funktions- Einbußen in einem Lungenflügel. "Ein Spezialist entschied, dass Uwe sofort operiert werden muss. Sein eingefallener Lungenflügel muss wieder aufgerichtet werden. Er wollte die Tour am Sonntag unbedingt noch zu Ende fahren", teilte Team-Sprecher Matthias Wieland mit. Die Ärzte im Krankenhaus von Nantes und Teamchef Hans-Michael Holczer mussten den Patienten eindringlich davon überzeugen, dass ein Start unmöglich sei.

Peschel, beim ersten Zeitfahren in Cap Découverte Sechster, war bei strömendem Regen nach 30 und 36 Kilometern gestürzt. Damit hat Gerolsteiner bei seiner Tour-Premiere nur noch drei von neun gestarteten Fahrern im Rennen.

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