Armstrong mit bescheidener Leistung
Ullrich fasst bei der Tour sofort wieder Tritt

Jan Ullrich hat nach einem Jahr Pause bei der Tour de France auf Anhieb wieder Fuß gefasst. Der Toursieger von 1997 startete mit einem vierten Platz beim 6,5 km-Prolog von Paris fünf Sekunden schneller als Topfavorit Lance Armstrong in die Jubiläums-Rundfahrt, die 100. Geburtstag feiert.

HB/dpa MEAUX. Die 1. Etappe, die vom "Geburtsort" der Tour in Montgeron nach Meaux führte, beendete Ullrich am Sonntag nach 168 km an der Spitze des Hauptfeldes. Einen Massensturz 400 Meter vor dem Ziel, in den auch der Träger des Gelben Trikots, Bradley McGee verwickelt war, überstand der 29-jährige Olympiasieger schadlos. Der Schreck aber saß tief. "Man sieht, dass man nirgendwo sicher ist...", meinte Ullrich.

Den Tagessieg holte sich im Massensprint der Italiener Alessandro Petacchi, der damit seinen ersten Etappenerfolg bei der Tour vor Robbie McEwen und Erik Zabel (Unna) feierte. Das Gelbe Trikot verteidigte trotz des Sturzes der Australier Bradley McGee, der den Prolog am Eiffelturm zwei Sekunden vor Ullrich gewonnen hatte. Zeitrückstände werden nicht gewertet, wenn sich ein Sturz in der 1000-Meter-Zone vor dem Ziel ereignet.

"Jan ist wahrscheinlich seinen besten Tour-Prolog gefahren, obwohl er im Jahr seines Sieges Zweiter geworden war", freute sich sein Bianchi-Teamchef und Betreuer Rudy Pevenage. "Ich habe weiter einen großen Sprung nach vorne getan. Ich hätte niemals gedacht, dass ich im Prolog vor Armstrong lande. Das ist für den weiteren Verlauf der Tour kein Maßstab, aber es gibt Selbstvertrauen", sagte Ullrich, der trotz seines Blitzstarts am Wochenende nach seiner Zwangspause im Vorjahr mit Knie-Operationen, Doping-Sperre und Führerschein-Entzug, auf dem Teppich blieb. "Wenig Zeit verlieren und ohne Sturz durchkommen", lautete am Sonntag seine Vorgabe für die nächsten Flachetappen.

Armstrong, der bisher bei Tour-Prologen noch nie mit einem Platz hinter Ullrich zufrieden sein musste, suchte die Gründe für seine relativ bescheidene Leistung zum Auftakt mit Rang sieben bei sich selbst. "Entgegen sonstiger Gewohnheit hatte ich mir den Kurs vorher nicht angeschaut. Das Kopfsteinpflaster hat mir zugesetzt und ich war die Strecke zu verhalten angegangen. Um so zufriedener bin ich mit den Leistungen meiner Team-Kollegen. Am Mittwoch beim Mannschaftszeitfahren wird sich im Gesamtklassement einiges ändern", prophezeite der vierfache Toursieger, der den Miguel-Indurain-Rekord mit fünf Erfolgen in Reihenfolge knacken will. Vier Fahrer seines US-Postal-Teams kamen am Samstag auf den ersten 6,5 von 3427 km unter die ersten 15.

Drei Franzosen setzten Akzente

Die ersten Akzente am Sonntag setzten die drei Franzosen Christophe Mengien, Walter Beneteau und Andy Flickinger. Nach dem Start vor dem Restaurant "Reveil Matin", wo die erste Tour de France am 1. Juli 1903 begann, riss das Trio bei Kilometer 19 aus und fuhr auf dem flachen Kurs einen bemerkenswerten Vorsprung von neun Minuten heraus. Aber die Ausreißer, die in Montgeron wie alle übrigen 195 Tour-Teilnehmer mit einem Konfetti-Regen auf die Reise geschickt worden waren, wurden wenige Kilometer vor dem Ziel gestellt. Flickinger hatte sich am längsten gewehrt, bevor sich die Sprinter auf ihre gefährliche Show in der Käse-Stadt Meaux vorbereiten konnten.

Zabel, der am Montag seinen 33. Geburtstag feiert, musste zehn Kilometer vor dem Ziel noch einen Reifen-Defekt wegstecken. Zwei Team-Kollegen hatten ihn aber rechtzeitig wieder ans rasende Feld geführt. Nach dem Sturz im Finale musste der Gerolsteiner-Profi Olaf Pollack (Kolkwitz) sein Rad auf der Schulter über den Zielstrich tragen.

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