Armut steigt weiter
Kabinett beschließt Entwicklungsbericht

Trotz großer wirtschaftlicher Fortschritte in einigen Regionen der Welt wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. Das geht aus dem elften Bericht der Bundesregierung zur Entwicklungspolitik hervor, mit dem sich am Mittwoch in Berlin das Kabinett beschäftigt hat.

dpa BERLIN. Erfolgen im Kampf gegen die Armut etwa in China und Vietnam stehe die Gefahr entgegen, dass beispielsweise Afrika im Zuge der Globalisierung weiter an den Rand gedrängt werde, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bei der Vorstellung des Berichts.

Ein Fünftel der Menschheit muss nach dem Bericht mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen, drei Mrd. und damit rund jeder zweite Erdenbürger hat weniger als zwei Dollar am Tag zur Verfügung. Die Grenze zwischen Arm und Reich verlaufe aber nicht mehr nur zwischen Nord und Süd oder teilweise auch Ost, sondern zunehmend zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung. Ungleichheiten gebe es nicht nur zwischen den Ländern sondern zunehmend innerhalb einzelner Staaten zwischen Regionen, Bevölkerungsgruppen oder Männern und Frauen.

Wieczorek-Zeul wies unter anderem auf die Auswirkungen der Aids- Ausbreitung hin, die in humanitärer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht verheerend seien. Die Zahl der Infizierten sei inzwischen auf mehr als 35 Millionen gewachsen. Hier müsse die internationale Gemeinschaft sich nach ihrer Ansicht noch mehr engagieren. Die Bundesregierung stelle inzwischen 130 Mill. DM bereit. Aber auch dies sei noch nicht ausreichend, sagte die Ministerin.

Zur finanziellen Ausstattung ihres Ressorts im nächsten Jahr (2001: 7,4 Mrd. DM) wollte sie sich nicht äußern, weil es in den laufenden Etatverhandlungen noch keine Einigung mit Bundesfinanzminister Hans Eichel gebe. Klar sei aber, dass mit weiteren Streichungen die internationalen Verpflichtungen nicht zu schultern seien.

Die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern müsse angesichts der fortschreitenden Globalisierung immer mehr in enger Abstimmung mit der internationalen Gemeinschaft sowie mit der Wirtschaft und regierungsunabhängigen Organisationen gestaltet werden, sagte die Ministerin. Ziel sei es, der Globalisierung ein menschliches Gesicht zu geben. "Die Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe kann weder allein vom Markt noch allein vom Staat bewältigt werden."

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