Armutsprobleme spielen bei der IDB keine Rolle
Die Europäer bleiben in Lateinamerika außen vor

SANTIAGO. Immer stärker werden die regionalen Entwicklungsbanken in die Bewältigung nicht abreißender Krisen auf den globalen Kapitalmärkten eingeschaltet. Auf der 42. Jahrestagung der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) in der chilenischen Hauptstadt Santiago dominierte diese Tendenz. Viele der 7 000 Teilnehmer des diesjährigen lateinamerikanischen Finanzgipfels hatten mit dem eigentlichen Auftrag regionaler Entwicklungsbanken, nämlich die Finanzierung der Infrastruktur in Entwicklungs- und Schwellenländern zu sichern, die oft fehlenden sozialen Absicherungssysteme aufzubauen und gezielt die Armut zu bekämpfen, nichts im Sinn.

So konnte das IDB-Jahrestreffen in den letzten Tagen vor allem deshalb von der Zahl der Teilnehmer alle bisherigen Rekorde schlagen, weil die politische und finanzielle Elite vom La Plata - angeführt vom argentinischen Präsidenten de la Rúa - angereist war, um wieder einmal ein neues Stabilisierungsprogramm für Lateinamerikas größten und problematischsten Schuldner auf den internationalen Anleihemärkten zu präsentieren.

Der eindringliche Appell des Präsidenten der Bank, Enrique Iglesias, nach verstärkten Anstrengungen der Region zur Verbesserung der Ausbildungschancen breiter Schichten Lateinamerikas und der Karibik und nach Abbau der immer krasseren Einkommensunterschiede in den meisten der 26 Mitgliedsländer ging da ziemlich unter.

Im Rampenlicht stand der neue Akt eines nicht enden wollenden argentinischen Schuldendramas. Auch die Botschaft der Chilenen, die als "Preußen Lateinamerikas" den diesjährigen lateinamerikanischen Finanzgipfel organisatorisch perfekt ausgerichtet haben, verpuffte: Auch Chile, das als Modell einer vorbildlichen makroökonomischen Politik den aufstrebenden Volkswirtschaften in aller Welt vorgehalten wird, hat Probleme: einen schwachen sozialen und bildungsmäßigen Unterbau, der von vielen Bewunderern übersehen wird.

Kein Wunder, dass wichtige Anliegen der 18 nichtregionalen Mitgliedsländer der Bank auf dieser IDB-Jahrestagung praktisch unbeachtet blieben, so der Wunsch, bedenkliche Änderungen in der Ausleihepolitik in Richtung auf eine Ausweitung des Notkredit-Rahmens zu diskutieren. Die Tatsache, dass die in der Bank mit 30 % des Kapitals dominierenden Amerikaner wegen des eigenen Regierungswechsels eine Auszeit in der Diskussion nahmen, haben die nichtregionalen Mitglieder kaum genutzt.

Wie in Brüssel verfolgen die Spanier auch in der IDB eine krasse nationale Interessenpolitik, so dass zum Bedauern der deutschen Seite eine gemeinsame europäische Position nicht erreicht werden kann. Meist liegen die Spanier mit den Italienern im Streit, so dass die Mitgliedsländer der EU in der "Bank der Lateinamerikaner" ein Bild der permanenten Uneinigkeit bilden. Hinzu kommt: Im Gegensatz zur Gruppe der lateinamerikanischen Mitgliedstaaten fehlt den Nicht-Regionalen ein institutionalisierter Konsultationsmechanismus.

Das hat zur Folge, dass die Amerikaner als Großaktionäre und die in einer eigenen Verhandlungsgruppe organisierten Lateinamerikaner die Europäer und Japaner bei jeder wichtigen Entscheidung austricksen können, so vor allem bei der Besetzung wichtiger Posten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%