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Arnie zeigt Stoiber, wie man gewinnt

Was tut ein bayerischer Ministerpräsident, der mit großem Tross Mexiko bereist, um öffentlich wahrgenommen zu werden Er schaut bei Kaliforniens Weltstar-Gouverneur Arnold Schwarzenegger vorbei.

Was tut ein bayerischer Ministerpräsident, der mit großem Tross Mexiko bereist, um öffentlich wahrgenommen zu werden Er schaut bei Kaliforniens Weltstar-Gouverneur Arnold Schwarzenegger vorbei. Einfach war das Arrangement der Stippvisite in Sacramento nicht, aber nach einer Intervention von Henry Kissinger bekam Edmund Stoiber doch noch seine Audienz beim Governator. Ob es dann die Kiste Zigarren vom Münchener Händler Diehl war, oder die verwandte Mundart: Als die beiden schließlich zusammentreffen, ist von dem Hürdenlauf im Vorfeld nichts mehr zu spüren. Schwarzenegger empfängt Stoiber außergewöhnlich warm, ja familiär.

Beim anschließenden Auftritt vor der Presse treten, spielt Schwarzenegger souverän die Hauptrolle. Der in seinen Filmen riesige Terminator ist nur mittelgroß, seine breiten Schultern hängen etwas, über seinem mächtigen Brustkorb spannt sich ein tadelloser Maßanzug. Er geht aufrecht, als trügen seine Beine einen Oberkörper aus Beton. Er werde Englisch und Deutsch sprechen, eröffnet er launig, damit er in beiden Sprachen falsch zitiert werden könne. Er liebe Bayern, fährt er fort, er habe zwei Jahre in München gelebt und als Bodybuilder dort trainiert: Man kann sagen, dass München das Sprungbrett zu meiner Karriere war. Zum Schluss watet er mit seinem weltbekannten NussknackerLächeln in den Saal und schüttelt mit seiner unerwartet weichen Maurerpranke jedem die Hand.

Die Vorstellung ist nicht nur typisch Arnie, sondern typisch amerikanisch. Man bringt die Lacher auf seine Seite, erzeugt Wärme und langweilt die Zuhörer nicht mit langen, tief schürfenden Ausführungen. Jemand hätte dem bayerischen Granden einen entsprechenden Tipp geben sollen. Stattdessen präsentierte er sich auf seinen Stopps in San Francisco, Sacramento und Los Angeles als AlterArnie: bleich und sorgenvoll blickte er drein und stoiberte länglich und unbeirrbar auf Deutsch, was auch noch monoton übersetzt wurde. In San Francisco quälte er die Mitglieder des American Council on Germany in einem überhitzen Raum über eine Stunde lang, in Los Angeles spulte er seine Rede ab, obwohl der schwellende Geräuschpegel signalisierte, dass seine Zuhörer aus der Filmbranche das Interesse verloren. Thomas Gottschalk, der am nächsten Tag Stoibers Werbeveranstaltung für die FußballWeltmeisterschaft im piekfeinen Regent Beverly Wilshire Hotel moderierte, hatte damit seinen Spaß:Der Ministerpräsident spri cht in Wirklichkeit gut Englisch, sagte er, aber er hat so einen harten Akzent wie Arnold Schwarzenegger, und das findet er für Kalifornien nicht gut genug.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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