Arroyo erklärt einseitigen Waffenstillstand mit MILF
Philippinische Regierung macht Rebellen neues Friedensangebot

Die philippinische Regierung hat eine neue Friedensinitiative zur Beendigung der seit 22 Jahren andauernden moslemischen Rebellion im Süden des Landes gestartet. Präsidentin Gloria Arroyo erklärte am Dienstag einen einseitigen unbefristeten Waffenstillstand mit den Rebellen der Moro Islamischen Befreiungsfront (MILF).

afp MANILA. Damit grenzte sich die Staatschefin klar von der Position ihres im Januar gestürzten Vorgängers Joseph Estrada ab. Dieser hatte im vergangenen Jahr eine groß angelegte Militäroffensive gegen die MILF gestartet. Arroyo rief die Moslem-Rebellen auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Gebietsrückgaben schloss sie jedoch aus.



Die MILF reagierte positiv auf den Waffenstillstand. Ein Sprecher erklärte im Fernsehsender ABS-CBN, die Organisation werde sich jetzt ganz auf neue Friedensverhandlungen konzentrieren. Arroyo erklärte, die Regierung arbeite an einem genauen Plan für die Umsetzung des Waffenstillstands. Dazu gehöre auch die Rückkehr hunderter Flüchtlinge in das Kampfgebiet sowie der wirtschaftliche Wiederaufbau der Region. Die Präsidentin hatte bereits in der vergangenen Woche zwei Verhandlungsteams ernannt, um Friedensabkommen mit den Moslemrebellen und den Anführern eines seit 32 Jahren andauernden kommunistischen Aufstands auszuhandeln. Am Montag ordnete sie als weiteres Zeichen des guten Willens die Freilassung von 49 kommunistischen und MILF-Rebellen sowie Sympathisanten an.



Abu Sayyaf nicht miteinbezogen

Estrada hatte die Friedensverhandlungen im vergangenen April abgebrochen und eine blutige Militäroffensive gestartet. Dabei wurden mehr als 500 000 Menschen in die Flucht getrieben. Die MILF erklärte Manila einen Heiligen Krieg. Die 12 500 Mann starke Organisationen kämpft seit 22 Jahren für einen unabhängigen islamischen Staat im Süden des überwiegend katholischen Landes. Im vergangenen Jahr tötete sie bei Bombenanschlägen auf Mindanao dutzende Menschen. Auch für fünf Anschläge in Manila Ende Dezember wird sie verantwortlich gemacht. Dabei starben 22 Menschen, mehr als 100 wurden verletzt.



Arroyo bezog in ihr Friedensangebot ausdrücklich nur die MILF ein. Die zweite große Rebellenorganisation des Landes, die Abu Sayyaf, ist davon nicht betroffen. Mutmaßliche Abu-Sayyaf-Kämpfer entführten auf der südphilippinischen Insel Jolo erneut zwei Frauen und vier Polizisten. Nach Angaben eines Dorfobersten vom Dienstag wurden die sechs Menschen am Wochenende am Strand des Dorfes Igasan verschleppt. Die philippinische Armee kämpft seit September gegen die Moslem-Rebellen. Die Abu Sayyaf hatten im vergangenen April 23 Urlauber und Einheimische von einer malaysischen Ferieninsel nach Jolo verschleppt, unter ihnen drei Mitglieder der Göttinger Familie Wallert. Auch den "Spiegel"-Reporter Andreas Lorenz brachten sie für kurze Zeit in ihre Gewalt. Nach Lösegeldzahlungen kamen die Geiseln nach monatelanger Gefangenschaft bis September nach und nach wieder auf freien Fuß. Ein US-Bürger und ein Philippiner befinden sich jedoch noch in der Hand der Kidnapper.

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